Montag, 24. Februar 2014

Die Revolution des Geschichtenerzählens

Geschichten wurden früher am Feuer erzählt
Seit Anbeginn der Zeit erzählen sich Menschen Geschichten. Mythen, Legenden, Erfahrungsberichte. Wahrheitsgemäß geschildert oder ausgeschmückt, um zu beeindrucken, zu warnen, zu beeinflussen, Intrigen zu spinnen, Personen zu ehren oder einfach aus Lust am Fabulieren. Diese Geschichten tragen Informationen weiter und prägen die Kultur der Menschheit. Sie sind Teil des Alltags. Aus ihm beziehen sie ihre Themen und ihn spiegeln sie als Gedanken der Zeit zurück. Deshalb wandeln sich Sprache und Erzähltechniken. Autoren bedienen sich aus dem Repertoire ihrer Generation.
Doch noch nie war der Wandel größer als heute. Das Internet revolutioniert das Erzählen. Geschichten werden scheinbar Wirklichkeit, indem fiktive Charaktere Profile in den sozialen Netzwerken erhalten, erdachte Handlungen an realen Orten erlebt werden können, multimediale Elemente den Eindruck von Nähe erwecken und sogar ein direkter Kontakt zu Romanfiguren via Mail oder Chatsystemen möglich ist. Fiktive, virtuelle und reale Welten verschmelzen in dramaturgisch genau kalkulierten Geschichten miteinander.
Für Autoren liegen darin große Chancen und Herausforderungen. Wie verändern sich zum Beispiel Erzählstrukturen? Wie viel Einfluss können Leser auf den Fortgang der Handlung nehmen? Wie müssen Charaktere angelegt sein und zukünftig beispielsweise in sozialen Netzen agieren, damit sie glaubwürdig sind? Werden Autoren vielleicht schon zu Beginn eines neuen Projekts mit Spezialisten wie Animateuren, Marketingexperten und Schauspielern zusammenarbeiten, um ihre Geschichten auf allen Kanälen Zielgruppen gerecht zu erzählen?
Das alles sind spannende Fragen, mit denen ich mich an dieser Stelle nach und nach auseinandersetzen werde. Doch weil dieser dramatische Wandel des Geschichtenerzählens für alle Autoren gleichermaßen Neuland ist, freue ich mich über Erfahrungsberichte von Ihnen und einen regen Austausch. Jede Anregung und Idee ist willkommen - und nichts ist in diesem Neuland zu ungewöhnlich, als dass es nicht bedacht werden sollte.

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