Donnerstag, 29. Mai 2014

Die Kunst der Korrektur

Schreiben ist ein Prozess - meistens ein sehr langwieriger. Es ist ein Handwerk, zu dem nicht nur kreative Fertigkeiten gehören, sondern auch persönliche Eigenschaften, wie zum Beispiel Geduld, Disziplin und Detailbesessenheit. Was für einen Tischler der Feinschliff mit Schmirgelpapier, ist für einen Schriftsteller die Korrektur seiner Texte.
Keine sehr angenehme Arbeit, aber eine notwenige. Jeder Autor erzählt eine Geschichte. Doch anders als im realen Leben, in dem Dinge einfach passieren und sich faktisch zusammenfügen, müssen fiktive Handlungen immer wieder überdacht und abgestimmt werden. Bis zum Schluss. Im Grunde endet es nie, auch nach einer Veröffentlichung wird es noch Fehler geben. Dann darf ein Autor allerdings auf die Fantasie seiner Leser vertrauen.
Doch bis dahin heißt es: den eigenen Text immer wieder überarbeiten. Gerade wenn sich die Geschichte weiterentwickelt, besteht die Gefahr, dass Tatsachen vom Beginn der Handlung übersehen und nicht konsequent weiterverfolgt oder sogar konterkariert werden. Solche Fehler werden nur durch eine fortwährende Korrektur schon im Schreibprozess und ständige Anpassung des Textes vermieden.
Eine Liste der wichtigsten Personen, Orte, Handlungsstränge und vor allem Erfindungen des Autors unterstützt schon beim Schreiben. Sie lässt sich wie ein Glossar verwenden, vereinheitlicht auf diese Weise Sprache und Komposition.
Der selbstkritische Blick mit einigen Tagen Abstand auf den eigenen Text ermöglicht eine Annäherung an die Sichtweise eines Lesers. Ist die Handlung stimmig, sind die Aussagen treffend, werden verschiedene Ideen an anderer Stelle wieder aufgegriffen oder spielen sie überhaupt keine Rolle mehr?
Gute Freunde ergänzen die Sichtweise auf den eigenen Text konstruktiv kritisch. Dabei ist es wichtig, Anmerkungen möglichst emotionslos aufzugreifen und als Möglichkeit der Textverbesserung ernsthaft zu prüfen.
Ein gutes Schreibprogramm ermöglicht Notizen zum Text, Unterstreichungen und sonstige Markierungen. Merke: Eine Geschichte, die nicht eine zeitlang durch Anmerkungen vollkommen unleserlich ist, entwickelt sich meisten zu einfach und oft nicht logisch korrekt.
Unabhängig davon hat es sich bewährt, ein extra Buch für Ideen zu führen. Ganz gleich ob als Hardcover oder in einer Smartversion am Computer. Hier können alle "Geistsblitze", Gedanken, Anmerkungen und Zusammenführungen bis hin zu Skizzen eingetragen werden. Je mehr es hier durcheinander geht, desto mehr gedeiht die Kreativität. Einzige Voraussetzung ist, dass man alle Gedanken selbst noch lesen und zuordnen kann.
Manchmal hilft ein Spaziergang bei Schreibblockaden oder zum Ordnen der Handlungsfäden weiter. Einfach der Fantasie freien lauf und die Gedanken fließen lassen.
Denselben Effekt kann auch ein Gespräch unter Kollegen oder mit guten Freunden haben. Selbst über vollkommen andere Themen. Eine Entspannung der eigenen Gedanken trägt oft zu einer anderen Sichtweise bei, die weiterbringt.
Ganz wichtig ist es auch, gelegentlich abzuschalten und auszuschlafen. Viele Autoren sind Nachtarbeiter, die auch tagsüber beschäftigt sind. Auf Dauer lähmt eine solche Lebensweise die Kreativität. Mußestunden sind so gesehen keine Verschwendung von Lebenszeit, sondern essentiell für den eigenen Schaffensprozess.
Darüber hinaus sollte jeder Schriftsteller sich seine eigenen Techniken der Spannung und Entspannung - des am Text Arbeitens und den Gedanken freien Lauf lassen - aneignen. Jeder muss da seinen eigenen Weg gehen. Wichtig ist nur eines: Am Ende jedes Schaffensprozesses sollte ein lesbares und logisch einwandfreies Buch stehen.

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