Samstag, 21. Juni 2014

Der direkte Austausch zwischen Autoren und ihren Lesern

Die große Veränderung des Self Publishing ist gar nicht so sehr die unbegrenzte Möglichkeit der Veröffentlichung. In gewisser Weise gab es die auch früher schon durch umstrittene Zuschussverlage, beziehungsweise die eigen finanzierte Vervielfältigung. Natürlich sind die Möglichkeiten der Selbstvermarktung inzwischen professioneller und vor allem fairer geworden. Doch ist das nur die Grundlage für die eigentliche Veränderung: Die Autoren entwickeln sich heute im öffentlichen Raum.
Das klingt selbstverständlich, ist aber vollkommen neu. Schreiben ist mehr denn je ein Massenphänomen, das vor Publikum stattfindet. Mussten Autoren sich noch vor ein paar Jahren auf Workshops und privaten Lesungen beweisen, wo ihre Texte auseinandergenommen wurden und aus den Trümmern halbwegs brauchbarer Worte vielleicht das eine oder andere wirklich lesbare Werk entstand, veröffentlicht heute jeder, der zwei halbwegs verständliche Sätze in den Rechner tippen kann, seinen Text als Buch. Darin liegt eine Chance: Es gehen keine interessanten Zeilen mehr verloren, die früher vielleicht einem ignoranten Lektor zum Opfer gefallen wären. Dafür ist nun das Publikum durch seine Bereitschaft zum Kauf für die Auswahl erfolgreicher literarischer Ideen verantwortlich.
Um als Autor erfolgreich zu sein, genügt es heute nicht allein, gut zu schreiben und eine spannende Geschichte zu erzählen. Die Masse an Büchern ist so gewaltig, dass jeder Self Publisher auch zum Marketingexperten werden muss, damit er mit seinem Werk überhaupt sichtbar wird. Das Buchgeschäft wird mehr denn je von den Gesetzen des Marktes bestimmt.
Vor allem sind Autoren darauf angewiesen, sich eine Präsenz zu erarbeiten. Das führt zu schnellen Veröffentlichungen. Es bleibt keine Zeit für ein mehrmaliges Überarbeiten von Texten, ein Neuschreiben. Die Entwicklung des Schriftstellers findet öffentlich statt.
Es gibt keinen Grund, das zu bedauern. Schriftsteller und Publikum müssen es nur wissen. Wer heute nach neuen Autoren sucht, findet zumindest unter den Self Publishern selten Schreiber, deren Entwicklung bereits zu einem gefestigten literarischen Ergebnis geführt hat. Auch das Lesen ist, mehr als noch vor ein paar Jahren, zu einem Experiment geworden. Das Publikum kann auf diese Weise verstärkt zur Entwicklung der Autoren beitragen, denn Rezensionen und anderes Feedback sind die wichtigste Quelle der Motivation zur Entwicklung. Der direkte Austausch zwischen Schriftstellern und ihren Lesern ist deshalb die wohl wichtigste Errungenschaft des Self Publishing mit all den vielen Möglichkeiten der Selbstvermarktung in sozialen Netzwerken.

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