Mittwoch, 25. Juni 2014

Gelesene Geschichte




Geschichte ist manchmal sehr persönlich. Für Menschen zum Beispiel, die ein Familienunternehmen führen, das bereits seit 100 oder 200 Jahren besteht. Andere betreiben Ahnenforschung und verfolgen die Herkunft ihrer Vorfahren bis vielleicht ins 16. Jahrhundert zurück. In Japan gibt es Bonsais, die bereits mehreren hundert Jahren in Familienbesitz sind. All das schafft einen eigenen Zugang zu Geschichte. Auch der Genuss eines sehr alten Weines kann den Blick auf frühere Zeiten schärfen.
Literatur ist ein besonders Tor in die Vergangenheit. Zum einen wirft sie durch historische Romane einen ganz direkten Blick in die Geschichte. Darüber hinaus lässt sie uns hautnah an der Entwicklung der Menschheit teilhaben, indem wir Texte aus verschiedenen Epochen lesen. Veränderungen in Sprache, gesellschaftlichen Ansichten, Politik, Wirtschaft und Umgangsformen sind hautnah zu spüren. Schriftsteller sind immer in ihrer Zeit verhaftet und werden so zu Sprachrohren ihres Lebensabschnitts.
Vergleichen Sie in der Science Fiction zum Beispiel Romane von Jules Verne mit denen von Isaac Asimov, Arthur C. Clarke und William Gibson - um nur eine willkürliche Auswahl zu treffen. Oder lesen Sie den "Simplicissimus", Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", dazu die Briefe van Goghs an seinen Bruder Theo, Jack Kerouacs "Unterwegs", Tom Wolfes "Fegefeuer der Eitelkeiten" und vielleicht Wolfgang Herrendorfs "Tschick". Auch das ist natürlich eine willkürliche Auswahl. Aber das Prinzip wird deutlich: Lesen Sie sich durch die Geschichte. So erleben Sie die Entwicklung der Menschheit im Zeitraffer, bekommen ein Gespür, welchen langen Weg wir zurückgelegt haben und vielleicht sogar dafür, wohin wir gehen.

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