Sonntag, 15. Juni 2014

Künstler

Handwerk dekoriert, Kunst bereichert
Es gibt Kunsthandwerker und es gibt Künstler. Die Handwerker produzieren, indem sie Techniken erlernen und anwenden. Sie können zum Beispiel mit Pinsel und Farbe umgehen, schaffen Bilder, die akkurate Reproduktionen der Natur sind. Es fehlt ihnen aber meist an Ausdruck, an Esprit. Künstler machen sich oft keine Gedanken um Techniken. Sie formen Kraft ihrer Persönlichkeit und ihrer Ideen nicht Abbilder, sondern geben dem, was sie sehen, eine neue Bedeutung. Manchmal vielleicht mit unbeholfenen Strichen, aber mit einer ungeheuren Kraft.
So auch in der Literatur: Wer jedem einzelnen Wort eine Bedeutung gibt, schreibt artifizielle Texte. Vielmehr geht es darum, mit Sprache eine Welt zu erschaffen, Leser auf eine Reise mitzunehmen, von der sie mit neuen Eindrücken zurückkehren. Es geht nicht um irgendeine theoretische Aussage oder Erkenntnis, es geht um das Leben selbst, wie es der Künstler erkennt und manchmal auch erleidet. Dabei sind Grammatik und Rechschreibung bisweilen zweitrangig, solange der Lesefluss gewahrt bleibt. Im Vordergrund sollte immer die ernsthafte Auseinandersetzung mit einer Welt stehen, die der Fall ist, das heißt, die existiert, sei es in der Wahrnehmung, der Fantasy oder in beidem.
Jede Kunstform ist ein Dialog zwischen Künstler und Betrachter, Zuhörer, Leser. Der eine erzählt eine Geschichte und die anderen nehmen sie auf, verstehen sie in ihrem individuellen Kontext und machen sie sich zu eigen, lassen ihr Leben von der Kunst begleiten. Ernsthaft sollten beide sein: der eine in der Erschaffung, die anderen in der Aufnahme und Auseinandersetzung. Denn wahre Kunst entsteht nur im Zusammenwirken zwischen Künstlern und ihrem Publikum.

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