Sonntag, 29. Juni 2014

Persönlichkeiten unseres Alltags

Ein Sprung in der Teekanne, der Kratzer auf dem Schreibtisch. In der Abnutzung sind Spuren unserer Erinnerungen gespeichert. Alte Gegenstände gehören zu uns wie unsere Narben und Falten. Sie haben uns ein Stück unseres Weges begleitet und sind Persönlichkeiten unseres Alltags. Oft wissen wir sie nicht zu schätzen, ersetzen sie durch Neues. Doch das Alte hat Substanz, erzählt uns Geschichten, während das Neue nur durch Unerfahrenheit glänzt. Es kennt uns noch nicht und wir wissen nicht richtig mit ihm zu verfahren.
Zu leichtfertig gehen wir oft mit Erinnerungen um und sind schnell bereit sie gegen Spaß, gegen Ekstase einzutauschen. Zu wenig bedeutet uns noch etwas. Die Erfüllung liegt nicht in uns, in den Dingen, mit denen wir uns umgeben, sondern nur in der Beschaffung, der äußeren Stimulans.
Eine Teekanne mit Sprung hat etwas zu erzählen über uns, über unsere Welt. Das ständig Neue bleibt stumm: weil es Angst hat, alt zu werden - genau wie wir selbst.
Dabei ist es unser eigener Weg, der uns etwas bedeuten sollte, nicht irgendeine Karriere, nicht irgendein vermeintlicher Preis. Die Summe unserer Erinnerungen ist letztlich unser Gewinn. Das Leben selbst ist das Ziel. Das führen uns abgeplatzte Emaille und Dellen in Möbeln alltäglich vor Augen. Vielleicht mögen deshalb manche Menschen keine alten Gegenstände und andere lieben sie.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen