Montag, 2. Juni 2014

Sex mit Dinosauriern

Welchen Stellenwert hat Literatur heute eigentlich noch? Zugegeben, das ist eine philosophische Frage. Aber ich glaube, dass sie sich heute mehr denn je stellt. Denn auf der einen Seite ist die Literaturszene durch die sogenannten Neuen Medien demokratischer geworden. Jeder kann heute seine Texte selbst veröffentlichen und sogar weltweit vertreiben. Das rettet sicher viele lesenswerte Werke vor ihrem Tod in der Schreibtischschublade. Andererseits ist der Durchschnitt der literarischen Qualität meines Erachtens in den vergangenen Jahren signifikant gesunken. Nicht nur, was Inhalte betrifft, sondern auch in puncto Rechtschreibung und Grammatik.
Insgesamt ist Literatur noch mehr als früher zur Ware geworden. Schreibfabriken suchen nach Nischen, in denen sich der schnelle Euro verdienen lässt. Es entstehen Reihen, wie zum Beispiel "Sex mit Dinosauriern", die für ein paar Cent die Fantasien von Lesergruppen bedienen. Ist der Preis für Demokratie also immer die Tendenz zum Durchschnittlichen?
Die Entwicklung hat natürlich auch eine positive Seite. Menschen, die in ihrer Freizeit ernsthaft schreiben, finden Leser. Das spornt sie an und lässt interessante Geschichten entstehen, die wirtschaftlich zwar keine Chance haben, aber dennoch nicht ungehört verhallen. Die Möglichkeit des Self Publishing fördert damit den gesellschaftlichen Austausch.
Der Stellenwert der Literatur in ihrer heutigen neuen Form bemisst sich genau daran: am Austausch zwischen den Autoren und ihren Lesern. Dazu bedarf es auf beiden Seiten einer Ernsthaftigkeit beim Schreiben und dem Umgang mit den Texten. Es muss sich eine neue Diskussionskultur entwickeln, Autoren sollten Leser in den Entstehungsprozess ihrer Werke einbeziehen. Umgekehrt sollten Leser nicht bloße Konsumenten sein, sondern sich durch Rezensionen und in Formen aktiv einbringen. So unterstützten sie ihre Autoren und fördern die kulturelle Vielfalt.
Die Möglichkeit, eigene Werke jederzeit selbst zu publizieren, bietet nicht nur neue Chancen für Autoren und eine größere Vielfalt für Leser, sondern bringt auch eine gegenseitige Verpflichtung mit sich, Literatur insgesamt neu zu definieren.
Wir stehen am Anfang einer interessanten Entwicklung mit unbekanntem Ausgang. Wohin geht die Literatur? Was dürfen wir in den kommenden Jahren alles von ihr erwarten? Die Diskussion darüber hat gerade erst begonnen.

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