Samstag, 26. Juli 2014

Großvaters Geheimnis

Der folgende Text ist das erste Kapitel des Thrillers Jahrhundertspiel. Viel Spaß beim Lesen:

In diesen Tagen dachte Henner Klaasen oft an seinen Großvater. Der alte Mann hatte ihm ein Geheimnis hinterlassen. "Wenn Du je in Schwierigkeiten sein solltest, mach's wie ich, beschäftige Dich mit Ahnenforschung", gab er ihm mit auf den Weg und überreichte ihm eine Schatztruhe. Jedenfalls nannte Henner Klaasen die Holzkiste in der Größe eines kleinen Postpakets von jeher seine Schatztruhe. Sie enthielt alte Aufzeichnungen über seine Familie. Ganz zuunterst lag eine dünne, eingerollte dunkelbraune Lederhülle, verschnürt mit einem breiten grünen Stoffband. "Diese Tasche darfst Du erst öffnen, wenn Du gar nicht mehr weiter weißt", schärfte sein Großvater ihm ein und er hatte sich daran gehalten. Die anderen Papiere enthielten den Stammbaum seiner Familie bis zurück in das Jahr 1665 sowie Urkunden und eine Sammlung von Dokumenten mehrerer Generationen.

Sein Großvater begann mit der Ahnenforschung, kurz nachdem er sein Unternehmen verlor. Er baute sich damit eine bescheidene Existenz auf, die ihn ernährte und ausfüllte. Fortan galt er in der Familie als Versager, aber er schien glücklich, irgendeiner größeren Wahrheit auf der Spur.

Wie seltsam unsere Lebenslinien sich gleichen, dachte Henner Klaasen, als er sich eine Tasse Tee nahm, die zwischen seinen Händen dampfte. Wir haben beide verloren, was wir aufgebaut haben und uns ist nichts geblieben, als der eigene Stolz. Gegen seinen Willen musste er lächeln: Wie poetisch und kultiviert noch am Abgrund, auch so eine Gemeinsamkeit mit Großvater. Jetzt also zusätzlich die Ahnenforschung.

Vor genau einem Tag hatte er sein Unternehmen verkaufen müssen, ein Scherbenhaufen nach der unerwarteten Rückforderung eines Investitionskredits. Letztlich konnte er froh sein, überhaupt einen nennenswerten Erlös zu erhalten. Zwar ein Almosen, gemessen am eigentlichen Wert des Unternehmens, aber in der aussichtslosen wirtschaftlichen Lage eine durchaus großzügige Zuwendung, die ihm ungefähr ein Jahr Zeit verschaffen würde. Genug, um in der Ahnenforschung Fuß zu fassen, dachte er grimmig.

Das Herbstwetter schlug mit kräftigem Regen gegen die Fenster seiner Eppendorfer Eigentumswohnung. Auf dem Fußboden war noch Kinderspielzeug verteilt, wie die Unordnung einer plötzlichen Flucht. Seine Frau hatte die Kleinen genommen und war aus seinem Leben verschwunden, einfach so. Er war ein Versager - wie sein Großvater. Vielleicht hatte er in den letzten Monaten zu wenig Zeit gehabt, sicher war er mehr als einmal unbeherrscht gewesen. Aber war das ein Grund für eine überhastete Trennung? Scheinbar, antwortete er sich selbst. Plötzlich verstand er seinen Vater, der seinem Leben freiwillig ein Ende gesetzt hatte. Einfach so, von heute auf morgen. Er hatte es zu gewissem Ansehen und Wohlstand mit einer mittleren Beamtenlaufbahn gebracht. Aus irgendeinem Grund war er aber nie weiter befördert worden. Meine Mutter warf ihm mehr als einmal Unfähigkeit vor, erinnerte sich Henner Klaasen. Sie wollte Glanz, er suchte Sicherheit, nachdem was mit Großvater geschehen war. Doch er hat es nicht geschafft. Endgültig gescheitert mit 43 Jahren, im selben Alter hatte Großvater sein Unternehmen verloren - und ich, dachte Henner Klaasen, setze die Tradition fort. Er hatte es in all der Aufregung verdrängt, aber vor einer Woche war auch er 43 Jahre alt geworden.

Also gut, dachte er, ich habe jetzt scheinbar zwei Möglichkeiten: Selbstmord oder Ahnenforschung. Beides erprobte Wege. Seine Augen wanderten durch die Wohnung, sahen die Unordnung, die verstreuten Kindersachen, Fotos längst vergessener Erinnerungen, seine Schatztruhe und dann die abgekühlte Tasse Tee in seinen Fingern. Zwischen all dem war sehr viel Raum, Leere - Platz für neue Erfahrungen. Er stellte die Tasse ab und griff sich die Schatztruhe. Wollen einmal sehen, Opa, was Du mir noch beibringen kannst, dachte er halb amüsiert und halb erleichtert.

Vorsichtig lehrte Henner Klaasen die Kiste, legte Ausweise und Ahnenpässe, Stammbäume und Notizen, Erinnerungsstücke und einen alten Siegelring, Fotos und Münzen zwischen das Spielzeug auf den Boden. Dann hob er die verschnürte Ledertasche heraus. Sie war leicht, was immer sie enthielt konnte eigentlich nicht besonders groß sein. Henner Klaasen bereitete sich auf die nächste Enttäuschung vor. Für ihn war sein Großvater immer eine Art Held gewesen, obwohl er nichts heldenhaftes an sich hatte. Aber er ertrug das schlechte Gerede über ihn gelassen und zelebrierte seine Geheimnisse so überzeugend, dass Henner ihn noch als Jugendlicher für einen Agenten oder eine ähnliche romantische Figur hielt. Und auch, wenn ihm heute natürlich klar war, dass sein Großvater es nur verstanden hatte, sein kindliches Gemüt zu verzaubern, wollte er ihm doch nicht diese letzte Magie entreißen. Deshalb zögerte er, die Tasche zu öffnen. Vielleicht wäre es für ihn besser, nicht zu wissen, was sie enthielt und die ungetrübte Erinnerung an seinen Großvater für immer zu bewahren.

Henner Klaasen nahm die Tasche wie ein Geschenk in seine Hände, tastete sie ab und versuchte zu erraten, was sie beinhalten könnte. Er fühlte keine Unregelmäßigkeiten oder Ausbuchtungen. Was immer sie in sich verbarg musste flach, flexibel und weich sein. Wahrscheinlich waren es wenige Papiere, einzelne Bögen, von was auch immer. Eine Schatzkarte, vermutete Henner Klaasen einerseits aufgeregt, weil er es gerne glauben wollte, aber auch skeptisch, denn er fragte sich, warum sein verarmter Großvater den Schatz nicht selbst gehoben hatte, wenn es denn überhaupt einen gab. Seine Hände tasteten weiter über das grüne Stoffband bis zu den fünf Knoten, von denen die Tasche verschlossen wurde. Nein, es ist ganz sicher kein Schatz, überlegte er, während seine Finger die Knoten befühlten, wie ich Großvater kenne, schickt er mir eine Botschaft aus der Vergangenheit, seiner Vergangenheit, irgendeinen klugen Ratschlag, das erklärt auch, warum ich die Tasche erst in größter Not öffnen soll. Er mochte den alten Mann, aber es ließ sich nicht leugnen, dass sein Großvater zumindest zum Schluss ein eigenbrötlerischer Spinner war, der die verrücktesten Ideen hatte. Eines Tages, erinnerte sich Henner Klaasen, kaufte er sich ein kleines Schaf, das er im Garten seiner Mietwohnung grasen ließ. Er nannte es sein Lamm Gottes und musste es nach ein paar Wochen wieder verkaufen, nachdem sich die Nachbarn beschwerten. "Macht nichts", sagte er damals, "es hat seinen Zweck erfüllt." An diesem Tag wirkte er besonders vergnügt, so als hätte er Gott höchstpersönlich einen Streich gespielt - kurz darauf war er tot.

Vielleicht war Henner Klaasen ungeschickt oder einfach ungeduldig und aufgeregt, jedenfalls schaffte er es kaum, den ersten Knoten zu lösen. Er presste seine Fingernägel in die Windungen des Bandes, drückte und zog, doch der Stoff lockerte sich kaum. Es schmerzte - und das ist wahrscheinlich genau, was Großvater beabsichtigte, vermutete Henner Klaasen. Deshalb verwendete er jetzt auch kein Messer oder irgendein anderes Hilfsmittel, es wäre zu einfach gewesen. Er akzeptiere einfach den Weg, den ihm sein Großvater vorgegeben hatte und löste in anstrengender Handarbeit Knoten um Knoten, wobei er jegliches Gefühl für die Zeit verlor, bis er schließlich auch den fünften und letzten Knoten lockerte. Das grüne Stoffband umschlang die Tasche nur noch lose, die Lederrolle begann sich langsam zu weiten.

Währenddessen war es draußen unbemerkt dunkel geworden und Henner Klaasen fühlte die Tasche in seinen Händen mehr als er sie noch sah. Deshalb entzündete er einige Kerzen, die er auf den Tisch stellte, an den er sich nun setzte. Das Licht flackerte und warf Schatten überall dort, wo es auf feste Gegenstände traf. Da er nun einmal unterbrochen hatte, ließ er die Tasche auf dem Tisch liegen und ging in die Küche, um sich ein Glas Wasser zu holen. Auf dem kurzen Weg bemerkte er, dass ihn fröstelte und er zog sich eine blaue Tweetjacke über, die er von der Garderobe im Flur nahm. Auf einem kleinen Holztisch standen vertrocknete Blumen in einer roten Glasvase, daneben lag die Zeitung vom Vortag, ungelesen. Geschirr stapelte sich auf den Flächen, an den Schränken hingen bunte Bilder, ein Kalender stand auf einem alten Datum. Das Wasser war abgestanden und schmeckte fade, aber Henner Klaasen schenkte sich noch ein Glas ein, nur um eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Als er sich umdrehte, fiel sein Blick auf ein Foto, das ihn vor nicht einmal einem Jahr zeigte. Damals lachte er, ein adretter Mann voller Tatkraft in einem dunkelblauen Maßanzug, blonde Haare, leicht nach oben gegelt, ein glattrasiertes volles und - wie er bei näherer Betrachtung fand - gutmütiges Gesicht, geschwungene Augenbrauen und eine gerade, schmal nach unten verlaufende Nase, die keine andere Aufgabe zu haben schien, als auf das markante, leicht nach vorne gebogene Kinn zu weisen. Er erinnerte sich, dass er stolz war auf sein energisches Kinn. Doch das galt nicht mehr, nichts galt mehr, seit er ein Versager wie sein Großvater war. Ihm blieb nur die Schatztruhe und ein Geheimnis, auf das er all seine Hoffnung setzte, wie er sich ungern eingestand.

Das Wohnzimmer hatte sich nicht verändert. Früher war sein Leben in Bewegung, nicht ein Tag war gleich und die Kinder wogten wie eine Welle durch die Zimmer, verschoben alles wie Sand und Treibgut. Jetzt stand die Zeit still, es geschah nichts. Manchmal hatte er sich Ruhe gewünscht, mehr Zeit für sich, doch nie hatte er sich vorgestellt, ein lebloses Standbild seiner selbst zu sein. Für einen Moment blieb er mitten im Raum stehen. Alles war erstarrt, selbst die Kerzen brannten ohne einen Lufthauch bewegungslos. Die Welt drehte sich an ihm vorbei. Eine Erkenntnis, über die er boshaft lachen musste, weil sich noch vor kurzem alles um ihn drehte. Es erfasste ihn ein Drang, seinen Körper zu spüren und die gesamte Einrichtung zu zertrümmern, indem er sie einfach mit Schultern und Händen umrannte. Doch sein Kopf hielt ihn auf, steuerte ihn stattdessen zurück an den Tisch, wo die geheimnisvolle Tasche auf ihn wartete. Ein Verlangen brannte in ihm, sie zu öffnen, gleichzeitig hielt ihn die Angst vor der endgültigen Gewissheit um das letzte Geheimnis seines Großvaters davon ab. Er berührte die Tasche, strich über ihre Lederhaut, befühlte die Narben ihres Alters und versuchte dabei seine Gefühle zu besänftigen. Was immer die Tasche auch enthalten mag, sagte er sich, ist besser als weitere Stunden lähmender Gedanken und Untätigkeit. Mit einem Ruck, wie in Erwartung großer Schmerzen, riss Henner Klaasen die Tasche auf, entrollte sie und griff hinein.

Papier warf Falten unter dem tastenden Druck seiner Finger. Glattes, scheinbar vollkommen normales Schreibpapier. Er versuchte, nicht schon jetzt enttäuscht zu sein - aber Henner Klaasen vermutete, dass eine Schatzkarte sich anders anfühlen würde. Unter Aufbringung all seiner Willenskraft zog er das Papier aus der Tasche und mit ihm die ganze Last seines Lebens. Die Blätter lagen schließlich mit der Schrift nach unten auf dem Tisch, sichtbar waren nur leere Seiten, die aussahen, als seien sie aus Schulheften herausgerissen. Es wäre ein Leichtes, sie wieder in die Tasche zu schieben, das Band zu verschnüren und die ganze Sache zu vergessen. Viele Jahre hatte er tatsächlich nicht mehr an die Schatztruhe gedacht. Warum gerade jetzt? Henner Klaasen kannte die Antwort und sie gefiel ihm nicht: Weil er verzweifelt genug war, an alles zu glauben, jede Hoffnung zu befeuern. Dieses Gefühl kannte sein Großvater wahrscheinlich auch und er hatte dafür gesorgt, dass die Tasche erst in exakt einer solchen Stimmungslage geöffnet wurde. Weshalb? Da er ihn nicht mehr fragen konnte, war Henner Klaasen auf Vermutungen angewiesen - entweder brachte ihn ihr Inhalt wieder auf die Beine oder er musste erst ganz unten sein, um ihn überhaupt ertragen zu können. Alles in allem keine erfreuliche Angelegenheit, dachte er, nettes Familienerbe, aber schlimmer kann es eigentlich tatsächlich nicht mehr kommen.

Dennoch zitterten seine Finger und er brauchte mehrere Minuten, ehe er die Kraft aufbrachte, die Papiere umzudrehen - und auch dann sah er sie nicht sofort an, sondern zwang seine Augen erst nach einigen Umwegen über die Maserungen des Holzes zu den Bögen, auf denen die Handschrift seines Großvaters unmissverständlich zu Henner Klaasen sprach.

Zunächst erkannte er nichts weiter als Worte und Zahlen. Für einen Moment jubelte ein Teil in ihm, der darin doch einen Schatzplan erkennen wollte. Sein analytisches Ich aber wusste sehr schnell, dass es sich nur wieder um Ahnenforschung handelte. Die Enttäuschung war unvermeidlich. Er starrte auf das Papier und zum ersten Mal traten ihm Tränen in die Augen, glitten langsam über sein Gesicht, tropften schließlich mit all seinen verlorenen Hoffnungen auf den Tisch, spritzten auf die sinnlosen Seiten. Er wollte sie auflösen, fortschwemmen. Ein grausamer Scherz. Andererseits glaubte er bisher, sein Großvater habe ihn wirklich gemocht. Der letzte Halt - zerrissen wie ein morsches Seil. Seine Zukunft endgültig zerstört aus der Vergangenheit.

Irgendwann sah er durch den feuchten Schleier seiner Augen auf die Blätter herab. Es mochten Minuten oder auch Stunden vergangen sein, er hatte jedes Zeitgefühl verloren. Zahlen und Buchstaben verschwammen in seinem Blick, aber er erkannte plötzlich die historische Dimension, als er zufällig die Jahreszahl 1351 fand. Das war an sich schon erstaunlich, verloren sich die Spuren der meisten Vorfahren doch im Dreißigjährigen Krieg. Als er die Papiere daraufhin weiter überflog stellte er fest, dass auf den fünf Bögen anscheinend die Ahnentafeln fünf verschiedener Familien dargestellt wurden. Was hatte sich sein Großvater dabei gedacht, wie hing das alles zusammen? Er wischte sich mit den Händen über das Gesicht, massierte mit den Spitzen der Mittelfinger seine Augen. Dann sah er wieder hinab auf die Papiere auf dem Tisch. Seine Neugier war geweckt. Vielleicht war das der eigentliche Zweck der geheimnisvollen Tasche: Ablenkung und Beruhigung.

Als erstes suchte Henner Klaasen nach Verbindungen zwischen den Familien Lürß, Hansen, Hassforther, Kreuter und natürlich Klaasen. Aber da gab es auf den ersten Blick keine - außer der einen, dass alle fünf Ahnentafeln durch die Geburtsdaten zwar mit leicht unterschiedlichen Jahreszahlen, offensichtlich jedoch in derselben Generation begannen. Konnte das Zufall sein? Er besah sich die einzelnen Blätter genauer: Der Aufbau der Ahnentafeln war identisch, es wurde jeweils die männliche Linie verfolgt, wobei auch die Herkunft der Frauen beachtet wurde. Alle Papiere trugen die Handschrift seines Großvaters und stammten wahrscheinlich aus denselben Heften. Auffällig war eine ähnliche Zeichnung jeweils beim ältesten Vorfahren jeder Ahnentafel. Sie war ungeschickt gezeichnet und sollte wohl irgendeine Figur darstellen, wobei sie immer mehr Kontur gewann. War sie bei den Klaasens noch eine hilflose Skizze, nahm sie bei Hansen und Kreuter bereits gefälligere Formen an, war bei Hassforther deutlich als eine Art Tier zu erkennen, um schließlich bei den Lürßens tatsächlich als so etwas wie ein Schaf durchzugehen.

Was hatte sich sein Großvater nur dabei gedacht? Henner Klaasen bewunderte den alten Mann für die Stärke, sich nicht von seinem Weg abbringen zu lassen, aber er hielt ihn nach allem, was er hier sah, auch für eigensinnig und vielleicht sogar verrückt. Die Ahnentafeln waren interessant, ja, akribisch ausgearbeitet und penibel aufgezeichnet, an anderer Stelle dann wieder dilettantisch wie die Tierfiguren oder der schwarze Tintenfleck mitten auf dem Blatt der Familie Kreuter. Großvaters Geheimnis ist in der Tat eine Enttäuschung, dachte Henner Klaasen, und meine Schatztruhe nur eine kleine Holzkiste.

Er lehnte sich zurück. Je mehr er darüber nachdachte, desto seltsamer wurde die ganze Geschichte. Nach allem, was er von der Ahnenforschung wusste, war es schon allein ungewöhnlich, dass die Familien ihre ursprünglichen Namen durch die Jahrhunderte behalten hatten. Doch nur von den Klaasens gab es einen Stammbaum bis in die jüngste Zeit, alle anderen Ahnentafeln brachen irgendwann um 1650 ab. Darüber hinaus gab es keinerlei Anhaltspunkte, weshalb sein Großvater auch die vier anderen Familien erforscht hatte. Es war mehr als verwirrend.
 Klaasen stand auf und blickte aus dem Fenster. Regen und Sturm hatten nachgelassen, aber die Nacht war immer noch unruhig. Eine Nacht voller Rätsel für ihn. Er versuchte, die Fakten zu betrachten - und je mehr er darüber nachdachte, desto fantastischer wurden seine Gedanken. Sah sein Großvater voraus, dass auch Henner eines Tages scheitern würde, genauso wie er selbst und sein Vater? Hatte er ihm deshalb die Schatztruhe hinterlassen? Warum dann aber der Umweg über die Ahnenforschung, wenn er ihm irgendetwas mitteilen, ihm helfen wollte? Er schüttelte den Kopf, das alles ergab für ihn nicht den geringsten Sinn.

Seine Gedanken zogen durch die Nacht, verbanden sich mehr und mehr mit dem flackernden Licht der Großstadtdämmerung. Hier wurde es nie wirklich dunkel, aber der künstliche Schein täuschte oft die Augen. So glaubte Henner Klaasen jetzt, einen Schatten neben dem Weg zum Haus zu sehen, jemand, der zu ihm empor schaute. Aber als er noch einmal auf den Punkt am mäßig gepflegten Gebüsch sah, erkannte er nichts Ungewöhnliches. Eine Sorge mehr, dachte er bitter, Großvaters Geheimnis erschafft Spukgestalten um mich herum. Er trat vom Fenster zurück und löschte die Kerzen. Danach legte er sich einfach auf das Sofa und verfiel sofort in einen unruhigen Schlaf.

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