Montag, 18. August 2014

Artischocken-Theorie

Wie unterschiedlich sich Menschen verhalten und wie verschieden ihre Gehirne arbeiten, lässt sich oft an alltäglichem Verhalten erkennen. Zum Beispiel an der Anordnung der Schuppenblätter einer Artischocke. Die zwei Haufen links im Bild sind zufällig während einer Mahlzeit entstanden. Der eine Abfallteller sieht weitgehend geordnet aus, während der andere doch einen eher chaotischen Zustand erreicht hat. Beide erfüllen ihren Zweck, doch ergeben die Blätter der Artischocke dabei ein jeweils absolut anderes Bild. Da das Stapeln der Blätter unbewusst geschah, ist hier ein Muster in der Denkstruktur zu erkennen. Ästhetik und Zweckmäßigkeit, Ordnung und Chaos, Struktur und Kreativität, Freude an Kleinigkeiten und Gleichgültigkeit. Was immer es ist, interessant ist das Bild allemal. Denn es zeigt einerseits die Vielseitigkeit des menschlichen Denkens und lässt darüber hinaus erahnen, weshalb wir Menschen immer wieder Schwierigkeiten miteinander haben.
Nicht anders ist es in der Literatur. Das Buch eines Autors wird von seinen Lesern unter Umständen anders aufgenommen, als es gemeint ist. Diese Möglichkeit sollte schon beim Schreiben in Betracht gezogen werden. Manchmal ist es sinnvoll, die eigenen Texte kritisch aus Lesersicht zu betrachten. Umgekehrt sollten Leser immer bedenken, dass der Autor vielleicht noch mehr erzählen wollte, als auf den ersten Blick zu erkennen ist.
Denken Sie darüber nach, welcher der beiden Blätterstapel auf dem obigen Foto zu Ihnen passen würde - und warum. Gibt es eine Ähnlichkeit beispielsweise zu Ihrem Schreibtisch? Durchzieht Ordnung oder Chaos Ihr Leben? Findet das auch seinen Niederschlag in den Büchern, die Sie lesen?
Ganz nebenbei: Bei Gelegenheit sollten Sie Artischocke probieren - ein prima Sommeressen.

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