Samstag, 30. August 2014

Der nackte Hintern von Corny Littmann

Ironische Entblößung als hemmungslose Selbstironie - Kunst ist auch ein Akt der Zurschaustellung des Ich. Kaschiert oder offen. Als stilistisches Mittel oder als Ausdruck der eigenen Exzentrik. Eine Gratwanderung zwischen Peinlichkeit und einem notwendigen Durchbrechen von Regeln.
Eine exemplarische Selbstinszenierung in Rollen, die gesellschaftliche Gegebenheiten und Möglichkeiten übersteigert. Der nackte Hintern von Corny Littmann auf der Bühne des Hamburger Schmidt Theaters in bewusstem Kontrast zum Schlager aus den 1970er Jahren ist nicht nur ein spielerisches Statement zur Homosexualität, sondern auch das Ausziehen eines alternden Mannes vor seinem Publikum. Eine Aufforderung zum Lachen über die Lächerlichkeit der konventionellen Blickweise auf gesellschaftliche Verhaltensweisen und Glücksversprechen. Der Schauspieler als Stellvertreter für die Unzulänglichkeiten jedes Einzelnen. Die Lächerlichkeit des nackten, hängenden Hintern wirkt sympathisch in der Hilflosigkeit des Menschen auf der Suche nach Liebe.
Das überhaupt ist eine wichtige Aufgabe von Kunst: Aufmerksamkeit lenken auf Strömungen abseits der Norm. Denn dort, wo konformes Verhalten auf Avantgarde trifft, entsteht nicht nur Kunst, sondern neue Ideen halten Einzug in die Gesellschaft und treiben die Entwicklung voran.

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