Dienstag, 5. August 2014

Groschenheftleben

Trivialliteratur ist eine Art von Text, der die Wirklichkeit ausblendet. Es wird eine Geschichte erzählt, die nur einen oberflächlichen Realitätsbezug hat. Zwar werden Begriffe und Verhaltensweisen, gesellschaftliche Gepflogenheiten und unter Umständen aktuelle Bezüge verwendet, doch dienen sie nur als Rahmen und Dekoration einer Handlung, die sich weitgehend unabhängig davon entwickelt. Die Trivialität liegt in der Vereinfachung menschlicher Beziehungen und Lebensumstände bis zum vollkommenen Klischee. Sie durchbricht den Erwartungshorizont ihrer Leser nie, bestätigt so bestehende Meinungen und Gesellschaftsbilder. Im Gegensatz zur sogenannten Hochliteratur, die gerade eine Auseinandersetzung mit gängigen Vorstellungen und Denkweisen anstrebt.
Doch diese Definition trifft längst nicht nur auf Literatur zu. In immer mehr Gesprächen vor allem mit jüngeren Menschen fällt mir auf, dass sich ihr Leben um Vorstellungen und Planungen rankt, die wenig Bezug zu einer gesellschaftlichen Realität aufweisen. Anscheinend denken und planen sie oft in einem selbstgeschaffenen Rahmen, der irgendwo zwischen einer Soap Opera und überhöhten eigenen Vorstellungen aufgehängt ist. Sie haben keine Visionen, die erst erreicht werden müssen, sondern nur Wünsche, die sich sofort zu erfüllen haben. Ihre Anforderungen an andere Menschen sind dementsprechend sehr hoch. Denn es ist in ihrem Denken nicht unbedingt ihre eigene Verantwortung, dass ihr Leben gut verläuft.
Wie erfrischend, ab und zu doch auf Menschen zu treffen, die über das Leben und den ganzen Rest nachdenken. Ganz persönlich aus ihrer Sicht, bodenständig verankert in einer Welt, wie sie für sie   nun einmal ist, aber ohne andere dafür verantwortlich zu machen. Auffällig ist, dass diese Menschen beschreiben, sie nennen die Dinge beim Namen und sie verstehen zu leben. Dazu bedarf es keiner besonderen Bildung, sondern nur Neugier und Aufgeschlossenheit. Neugier auf das Leben und Aufgeschlossenheit Chancen und Menschen gegenüber.
Es ist ganz einfach, nicht trivial zu sein, sondern ungewöhnlich zu leben. Wer das Leben annimmt, wie es unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen verläuft, es sich nicht zurechtlegt, wie es nach seinen Vorstellungen sein soll und damit die Augen vor Veränderungen verschließt, erlebt ein Abenteuer voller Überraschungen. Anders als in einem Groschenheft, in dem der Ausgang einer Geschichte vorhersehbar ist.

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