Samstag, 2. August 2014

Sie oder Du?

Ein Dilemma in Zeiten von Social Media und geschäftsmäßiger Lockerheit ist die Anrede fremder Menschen. Wann ist das "Sie" angebracht und wann ein "Du"? In manchen Kreisen ist es geradezu en vogue, sich generell zu duzen - zum Beispiel im Netz. Dabei geht eine feinsinnige Möglichkeit der Differenzierung von Vertrautheit verloren. Wenn das "Du" obligatorisch ist, entfällt eine Abstufung der Zugewandheit. So ist die gegenseitige Anrede mit Vornamen beim gleichzeitigen "Sie" als Zwischenstufe ausgeschlossen.
Im persönlichen Umgang bilden sich vielleicht im Laufe der Zeit Verhaltensweisen heraus, die das Ritual der allmählichen Annäherung und des Du-Anbietens ablösen. So könnte es Differenzierungen in in Betonung geben oder in der Körpersprache. Aber im Web?
Es ist richtig: Das ausschließliche "Du" vereinfacht den Umgang, niemand muß sich merken, wen er wie anreden muss. Doch macht es unser Miteinander nicht auch ärmer? Bisher war das "Du" eine Auszeichnung, eine Bestätigung von Freundschaft. Als routinemäßige Ansprache ist es bedeutungslos.
Wenn mich jeder duzt, ist dann also jeder mein guter Freund? Ich bezweifle das. Mir erspart das "Du" aus dem Mund eines Menschen unter Umständen nicht sein Messer im Rücken, wie uns zum Beispiel das normale Miteinander in Parteien lehrt. Mir persönlich ist ein Abstand mit freundlichem "Sie" lieber, als ein misstrauisches "Du".
Aus diesem Grund habe ich mich auch gegen den Trend dafür entschieden, meine Leser auf diesem Blog mit "Sie" anzusprechen. Ich verstehe das als Wertschätzung Ihres Interesses bei Anerkennung unserer Nichtbekanntheit. Vielleicht ist ein solches "Sie" in der heutigen Zeit gerade auf einem Blog befremdlich. Andererseits hebt sich eine solch "altmodischer" Ansprache im Web auch wohltuend von der Gleichförmigkeit des Umgangs ab.
Wer dennoch unbedingt geduzt werden möchte, vermerke es bitte im Kommentar.

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