Donnerstag, 14. August 2014

Wortgeschichte: Der kahlköpfige Mann

Ein Auto biegt in die Einbahnstraße unterhalb meines Fensters - entgegen der vorgegebenen Richtung. Der Fahrer weicht zwei Wagen knapp aus und parkt ein, Schnauze an Schnauze mit einem anderen Fahrzeug. Die Tür wird geöffnet, ein kahlköpfiger Mann steigt aus. Er sieht sich um, zieht die Jacke zurecht, die ihm bis an die Knie reicht. Seine Haltung ist gerade, sogar leicht im Rücken überdehnt. Seinen Schädel entlang läuft der silberne Bügel eines Headsets. Der Mann bewegt die Lippen und scheint zu reden. Einige Menschen weichen ihm aus. Niemand nähert sich ihm weiter als ungefähr einen Meter. Selbst auf seinen Schatten will niemand treten. Es sieht nicht so aus, als wenn ihn das stört oder er es überhaupt bemerkt. Die Bewegungen des Mannes sind eher geometrisch exakt als intuitiv und empfunden. Nichts geschieht zufällig, er koordiniert sich mit einer eigenartigen Ökonomie. Seine Selbstkontrolle wirkt kalt und arrogant. Das Auto blinkt auf, als er es digital verriegelt. Der Androide geht mit genau bemessenen Schritten aus meinem Blick.

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