Samstag, 13. September 2014

Das große Fressen

Es gibt keine bessere Gelegenheit, Menschen wirklich kennen zu lernen, als beim Essen. Dabei zeigen sie ihren wahren Charakter. Es muss ein Urinstinkt sein, der gerade bei der Nahrungsaufnahme aller Hemmungen fallen lässt.
Ist das Angebot knapp, setzt unweigerlich ein Verteilungskampf darum ein, wer wie viel Essen bekommt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Menschen satt sind oder Hunger haben, ob sie übergewichtig sind oder schlank. In jedem Fall stürmen sie das Buffet und die Küche, füllen überbordend ihre Teller und gönnen sich gegenseitig nicht die kleinsten Happen. Selbst wenn während des Essens nur das Geschirr knapp wird reagieren sie schon panisch. Wer zwischen Menschen und ihrem Essen steht, wird rücksichtslos beiseite geschoben. Gutes Benehmen und gesellschaftliche Kultur enden, sobald der Magen das Sagen hat.
Beim Essen geht es zumeist um Quantität und nicht so sehr um Qualität. Genießen können Menschen nur, wenn Sie wissen, andere bekommen nicht mehr als sie. Es zählt einzig und allein der gut gefüllte Teller. Er muss sogar dann voll sein, wenn man gar keinen Hunger hat und die Hälfte zurückgehen lässt. Die Meisten haben beim Essen das Gefühl, zu wenig zu bekommen. Nicht umsonst sind viele Menschen übergewichtig. Wer sich wirklich zu benehmen weiß, wer Genuss und Kultur über das große Fressen stellt, zeigt sich tatsächlich bei Tisch. Achten Sie darauf, wie viele Menschen ihr Essen im Grunde achtlos herunterschlingen, dabei keine Manieren haben, mit vollem Mund reden, sich über den Teller beugen und die Nahrung in sich hineinschaufeln. Sie werde die Menschen danach mit anderen Augen sehen – und mit vielen vielleicht gar nicht mehr zusammenkommen wollen, zumindest nicht zum Essen. Denn ganz abgesehen vom Charakter, der sich bei Tisch offenbart, ist es oft einfach unappetitlich, manche Menschen bei der Nahrungsaufnahme ertragen zu müssen.

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