Freitag, 12. September 2014

Kunst ohne Seele

Heute habe ich ein Zitat von Theodor Adorno gelesen: "Der Bürger wünscht die Kunst üppig und das Leben asketisch; umgekehrt wäre es besser."  Da ist viel wahres dran. Wenn ich so die Theaterbühnen und die modernen Musicalproduktionen betrachte, fällt immer wieder die technische Präzision und die opulente Ausstattung auf. Doch wo gibt es etwas wirklich Neues? Es werden hauptsächlich die alten Opern aufgeführt, neue Musik hat beim Publikum wenig Chancen. Die Menschen schwelgen in bunten Kostümen, fantastischen Kulissen sowie technischer Brillanz auch der Sänger und Schauspieler. Doch wo eckt das Theater noch an? Echte Gesellschaftskritik ist schon längst abgeklungen, Skandale beschränken sich auf Marketingsprovokationen und Scheidungen. Die Kunst ist zahm geworden im neuen Jahrhundert - Unterhaltungskunst dagegen ein großes Geschäft. Es werden Träume verkauft, die sich im normalen Leben nicht erfüllen lassen. Da werden die Bürger mit den üblichen materiellen Ansprüche abgespeist. Zufriedenheit entsteht dabei nicht und deshalb haben die Traumwelten der Unterhaltung auch auf niedrigstem Niveau Hochkonjunktur. Wir leben asketisch, weil wir uns mit dem wenigen begnügen, was uns eine immaterielle Welt verspricht. In Wirklichkeit sind wir sehr genügsam und nehmen alles weitgehend stoisch hin, was uns abverlangt wird. Die meisten Leben sind nicht bunt und prall, sondern langweilig und trist. Die Kunst, die uns aufrütteln sollte, hat sich längst mit dem Publikumsgeschmack arrangiert. Auch in der Literatur überwiegt die seichte Unterhaltung als Bestätigung unseres alltäglichen Denkens. Vorurteile werden aufgegriffen und nicht ad absurdum geführt. Mit bunten Bildern wird uns vorgegaukelt, wir leben in einer perfekten Welt. Es ist still geworden in der Kunst – die Unterhaltungsindustrie generiert mit immer gleichen bunten Bilderfolgen Quoten und Geschäft. Doch die Massenunterhaltung schafft nur eine Illusion von Kunst ohne Seele. Notwendig sind dagegen eine neue Form kritischer Distanz zu bestehenden Formaten und radikal denkende Künstler. Es ist Zeit für einen Neuanfang in der Kunst.

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