Freitag, 5. September 2014

Nette Jungs

"Es sind diese Scheißbanken, die machen alles kaputt", sagt Olli.
"Richtig, Mann. Deshalb habe ich auch seit Jahren kein Konto mehr", antwortet Richard.
"Du hast es geschafft, Du hast es wirklich geschafft. Soweit bin ich leider noch nicht."
"Wie, Röschen? Du gibst denen noch Dein Geld?"
"Dafür spiele ich nicht, ziehe mir keine Pornos rein und gehe regelmäßig in die Kirche", verteidigt sich Röschen.
"Wir doch auch, nicht wahr, Olli, wir leben doch auch gut."
Die drei stehen an ihrem Stammplatz vor der U-Bahn - jeder eine Flasche Bier in der Hand. Sie tragen Jeansklamotten, aber jeder hat dabei seinen eigenen Stil: Olli setzt nie seine Sonnenbrille ab, Richard hat einen Kamm in der hinteren Gesäßtasche, mit dem er sich regelmäßig durch die Haare fährt, Röschen bindet sich immer ein Halstuch um und kramt in ihrer Handtasche. Manchmal grüßen sie zu den Passanten hinüber und viele grüßen zurück.
"Die Bahnen haben auch andauernd Verspätung", lamentiert Richard.
"Die sind doch nie pünktlich", bestätigt Olli.
"Ich würde immer mit dem Auto fahren."
"Richtig, Röschen", stimmen ihr die beiden Männer zu, "das ist sowieso das Beste."
Aus dem Gang zur U-Bahn kommen ein paar Männer. Sie sehen sich um, scheinen hier fremd zu sein. Das Auffälligste an Ihnen sind die verwilderten Bärte auf ansonsten glatten, jungen Gesichtern.
"Schaut mal", deutet Olli auf die Gruppe, "die kommen bestimmt direkt aus Hindukusch."
"Was redest Du denn wieder für einen Scheiß", weist ihn Richard zurecht. "Du hast doch keine Ahnung, wo dieses Hindukusch überhaupt liegt."
"Aber es hört sich sehr weit weg und verdammt ausländisch an."
"Exotisch", wirft Röschen ein, "da möchte ich mal hinfahren."
"Da kannst Du doch nicht einfach hinfahren", sind sich die Männer einig. "Fliegen musst Du und dann noch auf einem Esel reiten."
"Igitt", rümpft Röschen die Nase.
Die jungen Männer haben bemerkt, dass über sie gesprochen wird und gehen auf die Drei zu.
"Entschuldigt, wir kennen uns nicht aus. Wo sind hier gotteslästerliche Orte. Wir möchten euch zum rechten Weg bekehren."
"Ähh, was?"
"Wir wollen nach islamischen Gesetzen leben - mit euch zusammen."
"Mit uns?"
"Ja, auch mit euch", bestätigen die jungen Männer.
"Das ist interessant", überlegt Olli. "Was heißt das denn genau?"
"Mann, dass Du an Allah glauben musst, Du Knalltüte, ist doch klar", kontert Richard und kämmt sich die Haare.
"Schon klar, aber Allah ist doch auch nichts anderes als Gott."
Die jungen Männer sehen sich an. Sie ringen sichtlich damit, dass vor Allah alle Menschen gleich sein sollen. Doch nach kurzem Zögern wenden sie sich wieder den drei Ungläubigen zu.
"Allah ist groß", preisen sie, "er hat uns zu euch geführt. Der wahre Glaube wird euer Leben erleuchten."
"So ähnlich sagt das mein Pastor auch immer. Aber er stört mich wenigstens nicht in meiner Freizeit", meckert Richard.
"Bekehrt euch zu den Gesetzen des Islam und ihr werdet bei Allah sein."
"Was hat es denn nun mit diesen Gesetzen auf sich?"
"Wir wollen, dass Ihr kein Glücksspiel betreibt und keine Drogen nehmt."
"Das ist korrekt", stimmt Olli zu.
"Es ist auch verboten Musik zu hören und in Konzerte zu gehen."
"Ich habe nichts gegen ein wenig mehr Ruhe in der Welt", nickt Richard.
"Prostitution und Pornos sind untersagt."
Olli und Richard sehen sich an, Röschen lächelt.
"In Ordnung", murmeln die beiden Männer schließlich, "damit können wir leben."
"Natürlich müsst Ihr täglich zu Allah beten und dürft keinen Alkohol trinken."
"Hört mal Jungs, wollt Ihr uns verarschen", sagt Röschen, der jetzt endgültig der Kragen platzt.
Die jungen Männer sehen sie überrascht und verächtlich an.
"Eure Frauen müssen sich verhüllen und dürfen in der Öffentlichkeit nicht reden", fordern sie dann an ihr vorbei.
"Was meinst Du Richard, wäre das nicht eine kolossale Erleichterung für uns? Vielleicht sollten wir dem Verein beitreten."
"Ich weiß nicht, Olli, das mit den Frauen ist ja schön und gut - aber die Sache mit dem Alkohol gefällt mir nicht. Du weißt ja, so ein Bierchen macht die Welt gleich besser."
Röschen wirft den beiden böse Blicke zu und platziert ihre Handtasche gezielt auf Ollis Kopf. Die jungen Männer sind empört.
"Frauen haben sich Männern zu fügen", schreien sie Röschen an.
"Nun mal sachte, Jungs", baut sich Olli vor Ihnen auf. "Bis jetzt wart ihr ganz amüsant, aber das geht zu weit. Was wir mit unseren Frauen machen, geht euch gar nichts an und mein Bier ist mir heiliger als euer Allah. Stellt euch zu uns, trinkt ein Bierchen oder meinetwegen, was Ihr auch immer trinkt, mit und lasst uns plaudern. Aber kommt mir nicht mit euren islamischen Gesetzen. Denn wenn Ihr so weiter macht, stelle ich mich vor eure Moschee und schenke guten Messwein aus."
Die jungen Männer gehen auf Olli los.
"Hör zu, wenn Du Allah beleidigst, bist Du ein toter Mann."
"Damit ich früher bei eurem Allah bin, als Ihr? Na, dem werde ich aber was von euch erzählen. Das wird einen Empfang geben, wenn Ihr dann irgendwann dort aufkreuzt."
"Irgendwelche Probleme?" fragt der Polizist, der zufällig vorbeikommt.
"Nein, Herr Wachtmeister", antwortet Olli. "Wir unterhalten uns nur über Religion."
"Vielleicht sollten die jungen Herren trotzdem jetzt gehen", fordert der Polizist.
 Die Männer zögern, sie wollen nicht vertrieben werden, was ist schon ein einzelner Polizist gegen Allah. Aber sie sehen ein, dass sie nichts ausrichten können.
"Wir kommen wieder", drohen sie im Gehen.
"Vergesst das Bier nicht", ruft ihnen Richard hinterher.
"Nette Jungs", sagt Röschen, "jeder einen knackigen Arsch in der Hose."
"Worauf Du wieder achtest", lachen die Männer.
"Du solltest lieber auf meinen Hintern starren", fordert Olli sie auf.
"Ach, Du bist zu fett geworden, mit der Zeit."
"Undankbares Geschöpf. Ich sollte doch Islamist werden und dann wirst Du verhüllt, wie so ein Gebäude von diesem - na, wie hieß der doch gleich, Du weißt schon, der immer mit seiner Ollen alles eingepackt hat..."
"Ja, liegt mir auf der Zunge, ich komme nur gerade nicht drauf. War das nicht irgendwas mit Kolumbus."
"Was hat denn Kolumbus damit zu tun?"
"Weil der doch so ähnlich heißt."
"Mädels, ich muss mal für kleine Biertrinker. Ihr entschuldigt mich kurz."
"Der und seine schwache Blase."
"Besser 'ne schwache Blase als zu fett."
"Bring gleich neues Bier mit, wenn Du wieder kommst."
"Ihr seid doch wirklich Säufer..."

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