Dienstag, 16. September 2014

Prominente Gesellschaft

Gerade habe ich mein Jahrhundertspiel in der Auslage einer Buchhandlung in prominenter Gesellschaft entdeckt. Und da sich heutzutage alles um Buchmarketing und Selbstvermarktung dreht, muss ich das natürlich gleich erwähnen. Obwohl ich auch ganz objektiv feststelle, dass mein Buch unter all den Verlagswerken tatsächlich auffällt - weil es anders ist. Man merkt ihm Engagement und Enthusiasmus an, mit dem es entstanden ist. Vielleicht sind Verlagsbücher technisch professioneller - aber mein Buch hat eindeutig mehr Charakter.
Doch genug des Selbstlobs. Eindeutig ist, dass sich die Buchszene sehr verändert hat. Waren Schriftsteller früher abgehobene Wesen, die von ihren Verlagen abgeschirmt wurden, sind Autoren jetzt publicitysüchtige Selbstvermarkter und Verkäufer, die keine Chance ungenutzt verstreichen lassen, mit Händlern und Lesern ins Gespräch zu kommen. Aus Notwendigkeit, wohlgemerkt. Denn Schreiben ist nur noch ein Teil ihrer Arbeit. Es gilt vor allem, die publizierten Werke - und sich selbst - bekannt zu machen, um sie an die Leser zu bringen. Waren Autoren früher eher lichtscheue Wesen, stürmen sie derzeit das Rampenlicht. Der Buchmarkt ist zur Bühne für Selbstdarsteller geworden - wer den Publikumskontakt scheut, ist hier fehl am Platz.
Darin liegt übrigens auch eine große Chance für das Schreiben: Je mehr Schriftsteller das Feld der Theorie verlassen und sich mit vielerlei Menschen auseinandersetzen, desto eher wird eine ganz neue Art von Literatur entstehen. Eine Literatur von Autoren, die gar nichts anderes mehr kennen, als offen auf Menschen zuzugehen und sich bei ihnen bekannt zu machen. Das wird eine Literatur sein, die wieder ganz dicht an den Menschen dran ist.

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