Dienstag, 2. September 2014

Prost ohne Gift

Für das Jahrhundertspiel habe ich viel recherchiert, wie schon an anderer Stelle beschrieben. Manch Wissenswertes hat es aber leider nicht bis ins Buch geschafft. So auch der historische Grund, warum wir uns heute noch zuprosten.
Entstanden ist der Brauch irgendwann im Mittelalter. Damals waren die Sitten rau und jeder musste damit rechnen, Opfer eines Anschlags zu werden. Weit verbreitet waren Giftmorde. Die tödliche Substanz wurde oft einem Getränk beigemischt.
Am größten war die Gefahr, wenn bei gemeinsamen Mahlzeiten oder Trinkgelagen die Situation unübersichtlich war. Das Aneinanderstoßen der Trinkbecher war eine Schutzmaßnahme. Denn dabei schwappte - einen vollen Becher und den richtigen Schwung vorausgesetzt - von beiden Gefäßen ein wenig Flüssigkeit in den jeweils anderen über. Mischte also jemand Gift unter, musste er auch mit seinem eigenen Tod rechnen. Insoweit überrascht es nicht, dass sich die Menschen bis heute mit dem Anstoßen oft auch Gesundheit wünschen.
Der Brauch hat sich ohne den mörderischen Hintergrund erhalten. Wir verbinden mit dem Anstoßen Wohlbefinden in der Nähe anderer Menschen. Für uns ist es ein Ritual, oft genug ein inhaltsleeres gesellschaftliches Verhalten, mit dem wir nichts verbinden. Eine Form des guten Benehmens halt. Deshalb sollten wir uns an den Ursprung dieses Brauchs zurückerinnern und das Nastoßen bewusst ausführen - als deutliches Zeichen, dass wir den anderen Menschen annehmen und nicht vorhaben, ihm etwas anzutun.

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