Montag, 15. September 2014

Selbstgespräche


Ich gebe zu, es ist seltsam, wenn jemand auf der Straße Selbstgespräche führt. Unweigerlich wird er für ein wenig verrückt gehalten. Aber ich gebe auch zu, dass ich einer derjenigen bin, die Selbstgespräche auf der Straße führen. Denn selbst Gespräche – ganz gleich an welchem Ort – sind durchaus nützlich. Und nicht immer lässt sich planen, wo ein Selbstgespräch stattfindet.
Selbstgespräche beginnen dort, wo der innere Monolog über ein Thema nicht mehr ausreicht. Ihr großer Vorteil ist der Klang der Stimme. Vielleicht sogar: der Stimmen. Denn ein Selbstgespräch kann durchaus in verschiedenen Tonlagen stattfinden, um zum Beispiel Für und Wider einer Sache möglichst realistisch für sich selbst zu diskutieren. Hierbei werden neben Argumenten auch Worte ausprobiert, es werden Reden geschwungen mit sich selbst, um auch Emotionen in die Überlegungen einbezogen. Das ist vielleicht überhaupt die größte Stärke eines Selbstgesprächs: es erzeugt Emotionen und hilft so auch bei der gefühlsmäßigen Klärung von Fragen.
Ein Selbstgespräch ist die Fortsetzung rationaler, analytische Überlegungen mit anderen Mitteln. Indem ich mit mir selbst diskutieren, schau ich mit anderen Augen auf ein Thema und erlebe in einem fiktiven Rollenspiel die Auseinandersetzung darum. So entwickele ich auch zum Teil die Handlungen für meine Romane. Dann wird ein Selbstgespräch fast zu einem Theaterstück, bei dem ich die Geschichte in der Aktion ihrer Figuren vorantreibe. Viele Kapitel des Jahrhundertspiel sind auf diese Art und Weise entstanden.
Selbstgespräche sind also ein nützliches Instrument der Ideenfindung und Handlungsanalyse für Autoren. Sollten Sie also demnächst jemanden lebhaft mit sich selbstredend und gestikulierend auf der Straße begegnen, könnte es sich um einen Schriftsteller handeln, der gerade an einem neuen Buch arbeitet.
Was sind Ihre Erfahrungen mit Selbstgespräch?

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