Samstag, 25. Oktober 2014

Die Schatzkammer unserer Seele

Manchmal muss es einfach das Notizbuch sein. Hineinschreiben mit einem klassischen Stift, durchstreichen, schmieren - mit Papier und Tinte arbeiten. Fast wie ein Bildhauer mit dem Material arbeiten, es verändern und formen. Das macht ein echtes Notizbuch aus: Es lebt, sieht nie gleich aus, bekommt Flecke, Risse und Löcher. Aber je älter es wird, desto mehr Persönlichkeit hat es. Ein Notizbuch bewahrt Erinnerungen und Gedanken nicht nur in Worten, sondern auch im Zustand seines Papiers und verblichener Bleistiftstriche, verschiedenen Gerüchen - es wird zu einem Zeugen unserer Zeit, indem es der Zeit ausgesetzt wird. Es verändert sich mit uns und es alters sogar mit uns. Ein Notizbuch gibt uns die Ruhe bewahrter Gedanken und die Gewissheit, einen Teil von uns in die Welt zu tragen. Natürlich ist es unpraktisch, schwer in der Tasche, offen ohne Passwort, unübersichtlich und irgendwann ist es bis zur letzten Seite gefüllt und muss irgendwo verwahrt werden. Aber es ist alles andere als angepasst - vielmehr es passt sich einzig und allein uns an. Damit sagt es viel über uns, anderen und uns selbst. Ein Notizbuch ist der Hort unseres Geistes und die Schatzkammer unserer Seele.

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