Donnerstag, 13. November 2014

Ridley Scott

Die Anfänge eines Menschen zeigen immer seinen Weg. Das Fotoalbum aus der Kindheit verrät die Persönlichkeit des Erwachsenen. So ist es auch im künstlerischen Bereich: Die ersten Geschichten eines Autors, die ersten Bilder eines Malers und der erste Film eines Regisseurs weisen bereits auf den Blick und die Themen, die Schaffenskraft und Dramaturgie des späteren Werkes hin.
Ein gutes Beispiel dafür habe ich mit dem ersten Film des Regisseurs Ridley Scott gefunden. Als Student drehte er im Jahre 1965 den 27-minütigen Kurzfilm "Boy and Bicycle" - in schwarzweiß. Er zeigt einen Jungen, der die Schule schwänzt und mit dem Fahrrad durch eine britische Kleinstadt fährt. Zugegeben, das hört sich nicht besonders aufregend an. Doch spannend ist es, die filmischen Vorläufer von erzählerischen Elementen zu entdecken, die später in bekannten Filmen wie Thelma und Louise, Blade Runner und Alien ausgereift wieder auftauchen. Zum Beispiel die kühle Distanz der Erzählperspektive, der Horror, der von alltäglichen Gegenständen ausgehen kann sowie die Entwicklung bedrohlicher Situationen aus harmlosen Begebenheiten. Den Studenten Ridley Scott treiben ähnliche Gedanken und eine Sicht auf die Welt an, wie viele Jahre später den gestandenen Regisseur. Schon deshalb lohnt es sich, den Kurzfilm aufmerksam zu betrachten.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen