Montag, 24. November 2014

Über den Umgang mit Rezensionen

Für jeden Schriftsteller sind Rezensionen seiner Bücher wichtig. Sie bieten Lesern Orientierung bei der Auswahl und zeigen den Autoren, wie ihre Werke aufgenommen werden. Doch das Internet hat nicht nur die Verlagslandschaft nachhaltig verändern, sondern auch die Art und Weise der Buchbesprechungen. Heute gibt es drei Arten von Rezensionen:
1. Journalistische Artikel in Zeitungen und Magazinen sowie Besprechungen in Radio und Fernsehen
2. Semiprofessionelle Buchbesprechungen von freien Mitarbeitern, oft Lehrern oder Autoren
3. Internetrezensionen
Die überwiegende Zahl der Buchbesprechungen wird inzwischen für Blogs, Foren, Literaturwebseiten und Händlerplattformen geschrieben. Verfasst werden sie zumeist von Hobbykritikern, die in ihrer Freizeit Lesen und Rezensieren. Professionalität und Qualität der einzelnen Buchbesprechungen sind dementsprechend sehr unterschiedlich. Zumeist sind Internetrezensionen engagierte Meinungsäußerungen und keine fundierten Buchbesprechungen, die sich um Objektivität ihrer Aussagen bemüht. Kennzeichen dafür ist die Kürze vieler Texte. Es werden unter anderem Spannung, Lesefreundlichkeit, Rechtschreibung, Handlung, Cover und Stil eines Buches beurteilt - aber eine Auseinandersetzung mit den recherchierten Hintergründen, philosophischen Ideen und weiterführenden Absichten eines Titel findet kaum statt. Auch Zitate zum Beispiel auf Filmen oder andern Büchern werden nur selten gesehen und verstanden. Ungewöhnliche Themen, anspruchsvolle Handlungen oder Stile haben es so schwerer als einfache Liebesgeschichten und actionreiche Thriller.
Für Schriftsteller hat die moderne Form der Rezension Vor- und Nachteile. Ganz klar, sie haben die Chance auf sehr viel mehr Buchbesprechungen als zu früheren Zeiten. Viele Leser äußern ihre Meinung und es gibt zahlreiche Literaturblogs, die sehr gerne neue Bücher und Autoren vorstellen. Andererseits muss ein Autor sich damit abfinden, dass ein Buch, in das er viel Arbeit investiert hat, möglicherweise aus absolut subjektiven Gründen abgelehnt wird. Es findet zwar ein lebendigerer Austausch über Bücher statt, das Niveau ist dabei aber nicht unbedingt hoch. Gerade Autoren, die sich mehr Gedanken über die Aussage ihres Werkes als über den Plot machen, können ins Hintertreffen geraten. Chancen liegen aber eindeutig in der Nähe zu den Lesern.
Der richtige Umgang mit der modernen Art von Buchbesprechungen? Ganz einfach: Sie sind keine Rezensionen, die über Leben oder Tod eines Werkes entscheiden, sondern Kaufempfehlungen. So gesehen nützen auch negative Buchbesprechungen, weil sie einen Titel ins Gespräch bringen. Zählt bei Rezensionen aber die Klasse, so bei Kaufempfehlungen die Masse. Schriftsteller sollten deshalb möglichst viele Buchbesprechungen für ihr Werk sammeln. Es entscheidet nicht die einzelne Rezension über den Erfolg eines Buches, sondern der Durchschnitt der Kaufempfehlungen. Deshalb: Auch negative Besprechungen können auf jeden Fall in den eigenen Netzwerken kommuniziert werden. Je mehr über ein Buch geredet wird, desto eher wird es zu einem Erfolg. Und niemals von einer einzelnen Buchbesprechung zu sehr beeinflussen lassen - weder positiv noch negativ. Denn ganz gleich, was einzelne Rezensenten auch schreiben mögen: Die Wahrheit liegt nur im Durchschnitt der Masse.

1 Kommentar:

  1. Ich finde diesen Artikel sehr spannend! :-) Ich habe vor vielen Jahren als "Hobbyrezensentin" begonnen. Mittlerweile habe ich Germanistik studiert und im Rahmen meines Studiums diverse Seminare rund um die Literaturkritik besucht, die unter anderem von richtigen Profis (z.B. vom Deutschlandradio Kultur) geleitet wurden. Noch nie ist mir so deutlich vor Augen geführt wurden, wie stark sich Literaturkritik und "Hobbykritik" voneinander unterscheiden. Leider habe ich auch erkennen müssen, dass das Blogpublikum teilweise gar keine Lust auf eine ernsthafte, professionelle Literaturkritik hat. Seither versuche ich, beides ein wenig zu kombinieren und meine in den Seminaren erlernten Techniken auch auf den von mir geführten Leseblog anzuwenden.

    Mit den besten Grüßen,
    Lisa

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