Montag, 1. Dezember 2014

Lesungen

Eine Lesung aus dem Jahrhundertspiel
Jede Lesung ist eine Konfrontation mit dem Publikum. Hier entscheidet sich, ob der Autor ankommt. Dabei ist es nicht nur eine Frage der Schreibqualität, sondern auch der Persönlichkeit und des Auftretens. Bei Lesungen zeigt sich, ob ein Autor wirklich ein Schriftsteller ist. Irgendetwas schreiben können viele Menschen, damit aber auch das Publikum ansprechen und von sich überzeugen, ist nicht jedem gegeben. So ist jede Lesung gleichsam eine Herausforderung, sich selbst als Autor kritisch in Frage zu stellen, im Dialog mit dem Publikum die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Lachen die Zuhörer an den richtigen Stellen? Reagieren sie überhaupt auf die gelesenen Texte oder herrscht eher eine feindliche Ruhe im Saal? Gehen in der Pause oder am Schluss Menschen auf den Autor zu? Entwickelt sich gar eine Diskussion über seine gelesenen Texte? Jeder Schriftsteller sollte die Leser sehr ernst nehmen. Denn von ihnen erfährt er viel über sich selbst und die Qualität seines Schreibens aus Sicht eines Publikums. Wer selbstherrlich vor die Menschen tritt und Reaktionen nicht an sich heranlässt, nimmt sich große Chancen, seinen Stil, die Qualität seiner Arbeit und sein Auftreten weiterzuentwickeln.

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