Freitag, 30. Januar 2015

Der Tag des Liebesbriefes

Der Moment, in dem die Post kommt, ist der Moment, in dem die Welt nach mir greift. Denn die Post bringt Botschaften und Anforderungen, auf die ich reagieren muss. Sie bringen meine Gedanken aus dem Tritt. Dabei ist der Postbote ein netter und lustiger Typ. Doch sein Job ist im Laufe der Jahre recht traurig geworden: Die schönen Mitteilungen erreichen uns heute meist per Mail. Die Post bringt hauptsächlich den administrativen Papierkram einer modernen Gesellschaft, wie Rechnungen und Werbung. Jedenfalls ist der Postbote zu einer eher traurigen Gestalt geworden, seit er nur noch recht selten Liebesbriefe bringt, weil Liebeserklärungen sowieso im Chat gemacht werden. Ob ein Postbote überhaupt darauf achtet, was er eigentlich austrägt? Ich denke schon. Vielleicht nicht bei jeden einzelnen Brief, aber grundsätzlich weiß er, ob er Freude oder Leid bringt.
Vielleicht sollten wir also den Postboten eine Freude machen und wieder mehr Liebesbriefe per Post versenden. Möglicherweise sollten wir sogar den „Tag des Liebesbriefes“ ausrufen. Ich weiß, dafür gibt es schon den Valentistag, aber der gehört mehr der Blumenindustrie.
Stellen Sie sich vor: An einem Tag werden tausende Liebesbriefe tatsächlich durch das Land geschickt und nicht nur durch Datenleitungen. Das müsste den Postboten doch eine große Freude bereiten. Oder eventuell nicht, weil sie an diesem Tag mehr als sonst arbeiten müssen?
Aber ich stelle mir trotzdem gerne vor, dass ein „Tag des Liebesbriefes“ das ganze Land mit einem einzigen großen Lächeln überzieht. Vielleicht dürfte an diesem besonderen Tag sogar keine andere Post als Liebesbriefe verteilt werden. Ich glaube, das würde uns ganz gut tun. Wir können ja einfach damit beginnen, Liebesbriefe wieder mit der Post zu versenden. Wer weiß, vielleicht entsteht daraus irgendwann wirklich ein „Tag des Liebesbriefes“ - und jeder freut sich dann auf die Post.

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