Montag, 26. Januar 2015

Die Ein-Sterne-Rezension

Manchmal werde ich gefragt, wie ich mit Ein-Sterne-Rezensionen umgehe. Genauso wie mit Fünf-Sterne-Rezensionen, sage ich dann stets. Die Bewertung macht irgendwie keinen großen Unterschied, solange sich ein Leser ernsthaft mit meinem Buch auseinandersetzt.
Das habe ich gerade wieder erfahren. Eine Rezensentin hat mein „Jahrhundertspiel“ bei Amazon mit vier Sternen bewertet. Das freut mich natürlich ungemein. Aber neben der positiven Bewertung sind die durchaus eingestreuten kritischen Anmerkungen für mich wichtig. Denn hier erkenne ich die Ernsthaftigkeit der Leserin, sich über mein Buch Gedanken zu machen.
Daran lerne ich und viele Anregungen von Lesern werden in meinen nächsten Büchern Berücksichtigung finden. Es ist die Auseinandersetzung mit den Gedanken des Autors und der Leser, die eine Beschäftigung mit einem Buch über den reinen Lesegenuss hinaus spannend und interessant macht. Wie wird die Geschichte verstanden und aufgenommen? Sehen Leser darin vielleicht sogar Gedanken, die ich als Autor beim Schreiben so überhaupt nicht hatte? Auf diese Weise entwickelt sich ein Buch immer weiter und verändert sich mit der Zeit, weil zum Beispiel Leser von heute Geschichten aus dem vergangenen Jahrhundert ganz anders verstehen, als Zeitgenossen der Autoren.
Um aber auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ernsthafte Ein-Sterne-Rezensionen erfüllen den genannten Anspruch der Auseinandersetzung natürlich genauso - vielleicht sogar mehr, denn es ist für einen ehrlichen Rezensenten immer ein Wagnis, eine eigene Stellung zu beziehen, noch dazu möglicherweise eine gegen den Autor. Deshlab sollten Schriftsteller solche Lesermeinungen sehr ernst nehmen und sich mit ihren Urhebern ernsthaft auseinandersetzen.

1 Kommentar:

  1. Ein wirklich schöner Beitrag! Als Rezensentin und Germanistin ist es mir immer sehr wichtig, nicht nur zu bewerten, sondern auch zu begründen. Ich lege zu jedem Buch, besonders zu Rezensionsexemplaren, Aufzeichnungen an, um dem Autor dann konkrete Leseeindrücke mitteilen zu können. Dabei geht es nicht nur um eventuelle Schwächen, die man als Autor womöglich überliest. Es geht auch darum, dem Verfasser seine eigenen Stärken aufzuzeigen, damit dieser sie voll und ganz ausschöpfen kann.

    Im Umkehrschluss finde ich es im Übrigen auch sehr schön zu wissen, wenn Autoren sich das Feedback zu Herzen nehmen und nicht nur auf eine "Fünf-Sterne-Bewertung" spekulieren, um in den Rankings nach vorn zu kommen. (Leider ist mir auch das schon passiert.)

    Liebe Grüße,
    Lisa

    AntwortenLöschen