Samstag, 11. April 2015

Die Stimme arbeitet die Bedeutung der Worte heraus


Schriftsteller schreiben. Soweit so gut. Doch oft tragen sie auch in Lesungen vor, was sie schreiben - und das ist meist weniger gut. Für das Publikum ist es zwar ein Erlebnis, einen Autor, dessen Werke es schon gelesen hat, live zu erleben, die Persönlichkeit hinter den Worten zu erahnen. Doch das Vorlesen wird nicht selten zur Qual. Viele Autoren lesen zu schnell, zu undeutlich, zu leise. Fast alle können lange nicht so gut vorlesen, wie schreiben.
Deshalb habe ich bei meiner letzten Lesung experimentiert: Den ersten Teil habe ich selbst bestritten, für den zweiten Teil habe ich einen Vorleser auf die Bühne gebeten, der meine Texte gelesen hat. Das Publikum war begeistert. Weniger vom ersten, als vom zweiten Teil des Abends. Ich war genauso begeistert - weil zu den Gedanken und Worten, die meine Texte ausmachen, noch die Interpretion durch eine Stimme hinzukam, die den Worten zusätzlich Gesicht verliehen hat. Wie der Komponist eines Liedes den Sänger benötigt, um seine Musik zum Leben zu erwecken, braucht ein Autor einen Vorleser, der den Worten seine Stimme leiht. Nicht, um den Worten eine neue Bedeutung zu geben, sondern um ihre Bedeutung herauszuarbeiten.
Ein großes Dankeschön an Dirk Hinrich Strunk, der mein Experiment mit seiner professionellen Stimme unterstützt und das Publikum mitgerissen hat. Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es eine Aufzeichnung meiner Kurzgeschichte Der unangenehme Nachbar, gesprochen von Dirk Hinrich Strunk. Viel Spaß beim Zuhören.

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