Donnerstag, 23. April 2015

Ich lerne viel von Rezensionen


Rezensionen sind für Schriftsteller die wichtige Probe ihrer Arbeit - nicht mehr und nicht weniger als die Meinung aufmerksamer Leser. Unabhängig von einer Bewertung, die sich in Sternen oder anderen Punktsystemen niederschlägt, lässt sich an ihnen ablesen, ob die eigenen Gedanken und Absichten beim Erzählen einer Geschichte ankommen.
Dabei ist es sehr interessant, verschiedene Rezensionen miteinander zu vergleichen. Werden zum Beispiel die Figuren eines Romans immer wieder ähnlich gesehen, ist es genau diese Sicht, die eine Geschichte tatsächlich vermittelt - unabhängig von den Ideen des Autors. Genau aus diesem Grund sind mir ehrliche und sachliche Rezensionen so wichtig: Sie zeigen mir, an welchen Stellen ich meine Gedanken gut umgesetzt habe und wo ich noch an mir arbeiten muss.
Hier zwei Beispiele aus den ersten beiden Rezensionen zu meinem aktuellen Roman Radio Bizarr. Es geht tatsächlich um die Hauptpersonen und dabei zeigen sich erstaunliche Parallelen in den Texten.
"Beeindruckend war für mich vor allem das Protagonistenensemble. Ich muss zugeben, sowohl Carola als auch Frederik sind keinesfalls Sympathieträger im eigentlichen Sinne. Die beiden haben so viele Ecken und Kanten, so viele Macken und Schwächen, dass es nicht verwundern würde, wenn man sie nicht mag. Aber Jonathan schafft es allen ernstes, dass man die beiden gerade ihrer Schwächen wegen liebt und eigentlich für die beiden fiebert, dass sie doch bitte endlich zu einander finden. Der spannenden, witzigen Liebesgeschichte rund um die beiden ist eine interessante Enthüllungsgeschichte zur Seite gestellt.“ Bücherdiebin
Ich muss zugeben, über den geringen "Sympathiewert“ der Figuren war ich zunächst überrascht. Ja, beide sind bewusst als Menschen mit „Macken und Schwächen“ angelegt, aber wie konsequent ich das umgesetzt habe, war mir selbst nicht bewusst. Aber es muss wohl stimmen, denn auch die zweite Rezension hebt unter anderem darauf ab.
"Das Buch hat mich durch die zwischenmenschlichen Reibereien der Protagonisten immer wieder zum Schmunzeln gebracht. David Jonathan schafft es, dass zwei Charaktere, die durch Verhalten und Lebenseinstellung eher unsympathisch sind, einem ans Herz wachsen! Wer gesellschaftskritische Bücher über politische Intrigen mit einem Hauch von Liebesgeschichte mag, wird dieses Buch lieben!“ Die Welt der Bücher
Wahrscheinlich lassen sich Carola und Frederik problemlos als Antihelden bezeichnen. Und genau das war meine Absicht: Zwei Menschen zu charakterisieren, die an sich die Spuren ihres jeweiligen Lebens tragen. Sie sind geprägt von Entscheidungen, die sie selbst getroffen haben und Einflüssen, die sich ihnen oft in den Weg stellen und gelegentlich voranbringen. Wie alte Bäume, die schon so manchen Sturm erlebt haben, sind sie von ihrer Umwelt geformt. Das macht sie nicht unbedingt sympathisch, aber zu Persönlichkeiten, die „einem ans Herz wachsen“.
Ich lerne viel von guten Rezensionen - und Rezensionen sind dann gut, wenn sie sich ehrlich und sachlich mit einem Buch auseinandersetzen. Vielen Dank dafür an alle Rezensenten, die sich einen solchen offenen Umgang mit Büchern verpflichtet fühlen.
Für die vollständigen Rezensionen von Radio Bizarr bitte auf den jeweiligen Link am Ende der Zitate klicken.

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