Mittwoch, 8. April 2015

Leben im Roman

Die Charaktere in einem Roman sind Mischwesen. Sie setzen sich aus verschiedenen Persönlichkeiten der realen Welt zusammen und werden durch die Fantasie des Autors zu einem Wesen geformt. Mark Twain hat in seiner Autobiographie zum Beispiel einige Menschen beschrieben, die Eigenschaften zu seinen berühmten Romanfiguren beigesteuert haben.
Wie ich im Beitrag Ich erspüre meine Figuren beschreibe, erlangen diese Charaktere letztlich ein Eigenleben, das nichts anderes ist als die logische Fortführung ihres Verhaltens aufgrund ihrer Persönlichkeitsmerkmale. In diesem Eigenleben zeigt sich das Geschick des Autors, Menschen exemplarisch vorzuführen. Hierbei lebt ein Schriftsteller selbst in seinen Werken: Der Beitrag seiner eigenen Persönlichkeit ist das Bindemittel, das die verschiedensten Eigenschaften unterschiedlichster Persönlichkeiten zusammenhält und daraus glaubwürdige Charaktere und eine authentische Handlung formt.
Wer also den Autor eines Romans in seiner Geschichte sucht, der sollte darauf achten wie die Handlung konstruiert ist, an welchen Stellen persönliche Gedanken eingestreut werden und wo es unerwartete Wendungengibt. Ein Schriftsteller versteckt sich nicht hinter seinen Figuren, sondern tritt seinem Publikum ganz offen entgegen - in der Form seines Erzählstils und der Art wie er seine Geschichte erzählt.

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