Mittwoch, 14. Oktober 2015

Die neue Form von Demokratie

Nerven Sie auch die ständigen Anrufe von Meinungsforschungsinstituten, die Ihnen eine Umfrage aufnötigen wollen? Inzwischen gehe ich schon wütend ans Telefon, wenn ich die Nummer des Anrufers nicht kenne. Dieses Eindringen in meine Privatssphäre kostet Lebenszeit, die ich besser nutzen kann.
Andererseits ist Meinungsforschung möglicherweise die neue Form von Demokratie. Die Methoden werden immer ausgefeilter und damit die Ergebnisse stets aussagekräftiger. Werden wir vielleicht bald nicht mehr nur alle paar Jahre wählen, sondern regelmäßig per Umfrage über Themen abstimmen, die uns wichtig sind?

Ein Experiment unendlicher Meinungsvielfalt

Die Politikverdrossenheit ist groß und die Wahlbeteiligung sinkt fortwährend. Fast die Hälfte der Bevölkerung beteiligt sich nicht mehr an Abstimmungen. Damit geht viel Substanz an unterschiedlichen Meinungen verloren. So orientiert sich auch die Regierung an Umfragewerten, denn die Wähler sind längst nicht mehr zuverlässig.
Wieweit ernsthafte und seriöse Meinungsforschung zu einem neuen Demokratieverständnis führen kann, bleibt abzuwarten. Ein Experiment ist es allemal.

Eine Community, die mitbestimmt

Bleibt allerdings die Frage, wie die Bevölkerung zu motivieren ist, sich mehr an Umfragen zu beteiligen, als zum Beispiel an Wahlen. In diesem Zusammenhang bin ich gerade auf einen interessanten Ansatz des Unternehmens Ipsos gestoßen. Mit seinem Tool i-Say können sich Mitglieder an Umfragen beteiligen, sich in einer Community austauschen und auch eigene Umfragen kreieren. Diese Idee finde ich äußerst interessant. Zumal jede Teilnahme an einer Umfrage mit Punkten belohnt wird, die beispielsweise gegen Gutscheine eingetauscht werden können.

Trotz aller Gefahren scheint der Ansatz charmant

Bleibt die Frage nach den Gefahren einer solchen Meinungsbildung. Zuerst könnten Ergebnisse natürlich manipuliert werden. Immerhin geht es vor allem um die Interessen der Auftraggeber von Umfragen. Darüber hinaus können schon die Gestaltung von Umfragen und ihre genaue Fragestellung den Aussagegehalt beeinflussen. Drittens besteht keine Garantie, dass die Beteiligung an Umfragen auch wirklich zu einer Mitbestimmung führt.
Dennoch finde ich trotz aller Bedenken den Gedanken charmant, unsere Demokratie durch eine große Community, die sich an Umfragen beteilligt und selbst Umfragen initiiert, zu bereichern und im besten Fall wieder funktionsfähig zu machen. Deshalb gebe ich diesem Ansatz eine Chance und werde ihn mir neugierig-kritisch anschauen. Vielleicht haben Sie Interesse, mich dabei zu begleiten.