Montag, 5. Oktober 2015

Kunst nach Businessplan

Wie rational darf Kunst sein? Ich frage mich das gerade, weil ich an einem Onlinekurs teilnehme, bei dem es um Künstler als Unternehmer geht. Angefangen bei einem Businessplan, bis hin zur Marktforschung für neue Produkte wie Songs oder Bücher. Verhindert die Ausrichtung am Markt nicht gerade Kunst?
Ich gehe bei sonnigem Herbstwetter spazieren und führe Selbstgespräche. Sicher, auch Künstler müssen Geld verdienen, um zu leben. Aber ihre Werke sind keine normalen Produkte - oder sollten es zumindest nicht sein. Gute Kunst ist wegweisend für ihre Zeit oder geht ihr vielleicht sogar voraus. Sie verunsichert die Menschen, gibt ihnen gleichzeitig Halt und Hoffnung. Sie richtet ihren Blick gleichermaßen auf das Schreckliche und Schöne dieser Welt - und oft auch über diese Welt hinaus.
Wenn künstlerische Arbeiten auf den Markt ausgerichtet werden, verharren sie im Mainstream. Denn die meisten Menschen möchten hören, sehen und lesen, was sie kennen, gewohnt sind, was sie unterhält und wenig Engagement von ihnen selbst fordert. Künstler sind dann nicht mehr unbequem, sondern werden zu Geschäftsleuten, die ihren Kunden gefällig sind. Geht es nur noch um Kundenzufriedenheit, wird jede Kunst zu einem nichtssagenden, austauschbaren Produkt.
Einige Passanten schauen sich nach mir um. Sie tuscheln über mich und finden mich seltsam. Gut, denke ich, Künstler sollten speziell sein. Nicht als Selbstzweck, sondern weil sie nicht unbedingt gesellschaftskonform denken und auftreten. Sie sollten für einen anderen, vielleicht neuen Blick auf die Welt stehen. Dafür gibt es nicht unbedingt sofort einen Markt, aber es lohnt sich, Menschen nach und nach davon zu überzeugen.
Wenn Künstler also als Unternehmer auftreten, dann sollten sie ihre eigene Person und nicht ihre Kunst vermarkten. Wofür steht ein Künstler, wer ist er, was denkt und will er? Darum sollte es gehen, um so auf seine Werke aufmerksam zu machen. Kunst ist persönlich und nicht unabhängig von Künstlern als Menschen. Der Künstler und seine Kunst gehören untrennbar zusammen. Es geht nicht um Personenkult, sondern um ein Gesamtkunstwerk aus dem Menschen und seinen Ideen.
Ich gehe zurück und bin froh, dass ich kein Künstler-Unternehmer sein muss. Meine Bücher werden gelesen oder auch nicht - aber ich möchte nicht einen bestimmten Markt bedienen, an den ich mich anpassen muss. Ich schreibe einfach und wenn meine Texte jemandem etwas sagen, wird er sie lesen. Natürlich werde ich Werbung für mich und meine Bücher machen, kein Frage, aber ich schreibe auch in Zukunft, wie mir der Schnabel gewachsen ist - und nicht nach Businessplan.

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