Freitag, 9. Oktober 2015

Salsa im Dreivierteltakt


Abends ausgehen. Doch wohin? Schließlich landete ich in einem Club - und bevor ich mich versah, mitten in einem Tanzkurs. Immerhin gab es günstigen Caipirinha. Doch bis zur Bar kam ich nicht.
Eine Gruppe Singles teilte mir eine Tanzpartnerin zu. Auf der Bühne standen zwei Tanzlehrer, die den Salsa-Schritt vormachten. Die Frau an meiner linken Seite packte beherzt zu und versuchte sich nach Anleitung zu bewegen. Ich machte mit - aus reicher Notwehr. Denn mit jedem meiner Schritte wich ich einem Tritt von ihr aus. Eine effektive Methode, tanzen zu lernen, dachte ich und spürte ihre Hand pötzlich schmerzhaft in meinem Gesicht, weil ich nicht aufgepasst hatte.
Uns war beiden nach kurzer Zeit klar, dass wir kein Traumpaar waren und das mit dem Salsa nicht wirklich passte. Aber die Frau hatte Witz und ohne es zu planen, schwebten wir im Dreivierteltakt durch den Raum. Zu südamerikanischen Rhythmen und zur Erheiterung aller anderen. Wir waren mittendrin und es machte Spaß.
Irgendwann setzten wir uns erschöpft an die Bar und erzählten uns aus unseren Leben. Ich fragte sie nicht nach ihrer Telefonnummer und sie nicht nach meiner. Es war ein Abend ohne Wiederkehr. das war uns beiden klar. Zum Abschied umarmten wir uns und gaben uns einen sanften Kuss auf die Wange.
Es war eine dieser Begegnungen, die mich mein Leben lang begleiten. Ich habe ihr Gesicht vor Augen, ihr Lächeln und werde es niemals vergessen.
Als ich den Club verließ und nach Hause fuhr, war ich erfüllt von einer unbestimmten Liebe. Nicht zu dieser einen Frau, sondern zu einem Leben, das eine solche Begegnung ermöglichte. Und ich weiß, das einer meiner Romane mit solch einer Szene beginnen wird.

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