Mittwoch, 4. November 2015

Selbstvermarktung des Selfpublishings

Es wird Zeit über ein Thema zu sprechen, dass jeder lieber verschweigt: Misserfolg. Was ist das überhaupt? Nun, es gibt kommerziellen und inhaltlichen Misserfolg. Interssanterweise ist zweiterer in unserer Gesellschaft leichter zu verkraften, obwohl er schwerer wiegt.
Doch der Reihe nach: Wenn ein Buch sich nicht so verkauft, dass für den Autor dabei zumindest ein angemessener Stundenlohn herauskommt, ist das ein kommerzieller Misserfolgt. Setzen wir nur den Mindestlohn an, sollte ein Roman mit durchschnittlicher Seitenzahl rund 10.000 Mal verkauft werden, um seinen Autor so erfolgreich wie jeden Arbeitnehmer zu machen. Die meisten Schriftsteller sind davon sehr weit entfernt. So gesehen sind sie also nicht sonderlich erfolgreich. Drastischer formuliert: Ihre Bücher sind Misserfolge.

Kommerzieller und inhaltlicher Erfolg hängen nicht unbedingt zusammen

Sind sie das? Betrachten wir die inhaltliche Komponente. Kann ein Buch gut sein, auch wenn es sich nur wenig verkauft? Auf jeden Fall. Vincent van Gogh wurde weitgehend von seinem Bruder finanziert, der deutsche Schriftsteller Wolfgang Koeppen vom Suhrkamp Verlag. Beide haben bedeutende Werke geschaffen. Und es gibt mehr Beispiele für kommerziell nicht erfolgreiche Künstler, die dennoch Großes geleistet haben.
Kommerzieller und inhaltlicher Erfolg scheinen also nicht unbedingt zusammenzuhängen. Denn umgekehrt gibt es wirtschaftlich erfolgreiche Kunst, die eine Laune des Augenblicks und schnell wieder vergessen ist.
Niemand sollte sich durch wirtschaftliche Überlegungen vom Schreiben abhalten lassen. Wirkliche Schriftsteller müssen schreiben, unabhängig vom Verdienst. Andererseits hat es heute jeder Künstler selbst in der Hand, mit seiner Kunst Geld zu verdienen. Selbstvermarktung ist genauso möglich wie Selfpublishing.

Der Unterschied von guter Kunst und Massenprodukt

Um es auf den Punkt zu bringen: Mancher ist vielleicht ein guter Künstler, aber ein schlechter Selbstvermarkter. Das heißt, niemand sollte die Qualität von Kunst am Verdienst des Künstlers bemessen. Gerade kommerziell nicht erfolgreiche Autoren sind oft die besseren Schriftsteller, weil sie sich nicht um Geld und Ansehen scheren, sondern schreiben, weil sie wirklich schreiben müssen. Es gibt halt Unternehmer-Autoren und Schriftsteller, die sich notgedrungen auch um das Geldverdienen kümmern müssen. Darin liegt ein Unterschied - und der macht nicht selten auch den Unterschied von guter Kunst im Gegensatz zum Massenprodukt aus.