Samstag, 14. November 2015

Wiederholungen schaffen Aufmerksamkeit

Bücher, die mir wichtig sind, lese ich mehrmals, Filme schaue ich öfter und Musik höre ich immer wieder. Zeitverschwendung? Auf keinen Fall. In der Wiederholung liegt der Weg zu neuer Erkenntnis. Kenne ich bereits die Handlung, konzentriere ich mich zum Beispiel intensiver auf die Entwicklung der handelnden Personen. In Bildern erkenne ich nach und nach die feinen Linien. Durch die Wiederholung erschließt sich eine neue Welt, entdecke ich die Tiefen unterhalb der offensichtlichen Geschichte.
Aus demselben Grund lese ich Bücher meist von hinten. Es kommt mir nicht auf die Spannung an, die sich aus der Unkenntnis des Ausgangs ergibt. Viel spannender finde ich es zu verfolgen, wie und weshalb die Protagonisten zu ihren Entscheidungen kommen. Ihren Weg vollziehe ich besser nach, wenn ich bereits das Ziel kenne.

Wie Werbung, nur interessanter

Interessanterweise funktioniert dieses Prinzip auch in den sozialen Medien. Ein Beitrag, den ich in längeren Abständen mehrmals poste, wird nicht nur häufiger gelesen, sondern mit ihm wird auch intensiver interagiert. Wobei das eigentlich nicht weiter verwunderlich ist, denn auf ähnliche Weise funktioniert auch Werbung. Ein Produkt, das immer wieder auffällt, wird besser wahrgenommen als ein vergleichbares, das vielleicht sogar qualitativ hochwertiger ist, aber weniger beworben wird.
Doch zurück zur Kunst: Es gibt keinen Grund, weshalb das Prinzip der Wiederholung nicht auch dort wirken sollte. Radiosender zum Beispiel wiederholen Musik permanent. Der einzige Unterschied zur Literatur: Es ist anstrengender, ein Buch zu lesen, als nebenbei einen Song zu hören.
Nichtsdestotrotz rufe ich alle Leser dazu auf, wenigstens ein ihnen schon bekanntes Buch in jedem Jahr noch einmal zu lesen. Es wird ein vollkommen neues Leseerlebnis sein.

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