Dienstag, 1. Dezember 2015

Dialog bei Twitter

Manchmal ergibt sich aus einer einfachen Nachricht ein interessantes Gespräch. Im realen Leben, wie auch in den sozialen Netzwerken. Gestern hatte ich wieder so ein Erlebnis auf Twitter, das ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten möchte.
Ich habe dort mit folgender Notiz auf einen meiner Blogposts aufmerksam gemacht: "Ich schreibe keine ausgedachten Geschichten, sondern wahre Momente aus den Leben von Menschen. 
http://davijonath.blogspot.de/2015/10/ich-erzahle-menschen.html"
Zur Erläuterungen für diejenigen unter meinen Lesern, die sich mit Twitter nicht auskennen: Dort besteht ein sogenannter Tweet aus maximal 140 Zeichen und die Hashtags dienen der thematischen Einordnung.
Jedenfalls entwickelte sich aufgrund meines Eintrags mit einem User - den ich hier der Einfachheit halber nur "Twitterer" nenne - folgender Dialog:

Twitterer: Sorry, das ist naiv: Erzählung, egal wie faktisch, ist perspektivisch und allein dadurch schon wieder Fiktion! #Derrida

David Jonathan: Guter Punkt. Es gibt aber auch die sogenannten Reportageromane des New Journalism von Wolfe, Capote und Mailer.

Twitterer: Selbst das sind Fiktionen. #InColdBlood verfälscht perspektivisch mit der Wortwahl den Tathergang und Gerichtsakten.

David Jonathan: Dann ist alles Fiktion, da subjektiv durch Worte verfälscht und fiktionale Charaktere sind ebenso wahr wie reale.

David Jonathan: Damit schreibe ich tatsächlich wahre Momente aus dem Leben von Menschen, weil Denken existierende Welten erschafft.

Twitterer: Wenn alles #Fiktion wäre, gäbe es keine Fiktion mehr. Denn was sollte dann noch als Unterschied ausgemacht werden? ;)))

Twitterer: Ich bezweifle nicht, dass sie glauben, Tatsächliches festzuhalten. Sie verwechseln res cognitans mit res extensa. #HKM

David Jonathan: Auch #Fiktion ist subjektiv und alles, was für einen anderen nicht real ist, z.B. unsere Diskussion in einem #Roman.

David Jonathan: Ich halte Tatsächliches im beschriebenen real-fiktionalen Rahmen fest, nicht im Sinne von objektiver Wirklichkeit.

Twitterer: Vielleicht überlappen ja Wortfelder? Objektiv: real,wirklich tatsächtlich-Subjektiv: fiktional, perspektivisch, irreal

David Jonathan: Möglicherweise vermischt sich alles, denn nach Wittgenstein ist es schon kaum zu schaffen, einen Tisch zu beschreiben.

Twitterer: Ja, gerade wegen #Wittgenstein hab ich reagiert:" Alle Fälle sind möglich und unbeschreibbar zugleich." PU 122 ;))))


David Jonathan: Ja, genau. "Die Welt ist alles, was der Fall ist." Ich bedanke mich für das anregende Gespräch. Grüße aus dem Norden.

Es ist schon bemerkenswert, wie sich ein solches Gespräch mit aufgezwungener knapper Wortwahl entwickelt. Ich schätze einen solchen Austausch, denn auf diese Weise lerne ich meine Leser besser kennen, reflektiere mein eigenes Denken und lasse neue Gedanken in meine Geschichten einfließen.
Wer mit mir in Kontakt treten möchte, verfasst einen Kommentar, schreibt eine Mail direkt an mich oder abonniert meinen Newsletter: http://eepurl.com/bnLv3P 

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