Montag, 15. August 2016

Der Wert der Skizze

Papierservietten, Pappschachteln, Bierdeckel, alte Quittungen - viele Materialien eignen sich, um flüchtige Gedanken zu notieren. Oft werden die Unterlagen damit zu wichtigen Urkunden oder eigenständigen Kunstwerken. Doch worin liegt liegt der Wert von Skizzen für deren Urheber?
Zunächst erfüllen sie eine Filterfunktion. Jeden Tag gehen viele Gedanken durch den eigenen Kopf, doch nur wenige werden festgehalten. Diese wenigen scheinen besonders interessant und wertvoll zu sein. Was also als Skizze auf irgendeinem Zettel landet, repräsentiert die Essenz des eigenen Denkens. Indem sie aufgezeichnet wird, gewinnt sie einen eigenen Wert. Denn sie transportiert neben den geronnenen Gedanken noch eine weitere Information: die Vorgehensweise desjenigen, der die Skizze anfertigt. Aus diesem Grund werden manche Aufzeichnungen selbst zu Kunstwerken - als Zwischenstufe auf dem Weg zu einem Werk.

In Skizzen zeigt sich die Persönlichkeit

Der praktische Wert von Skizzen liegt einerseits in der Erinnerung an Gedanken, aber auch in ihrer Unfertigkeit. Sie sind Bausteine weiterführender Arbeiten, ohne den Anspruch auf einen besonderen Ausdruck zu erheben. Eine Skizze ist einfach, sie verpflichtet zu nichts und bedarf keiner speziellen Form. Sie ist die freieste Erscheinung, die ein jeder seinen Gedanken geben kann. Dennoch - oder gerade deswegen - manifestiert sich die Persönlichkeit dessen, der eine Skizze anfertigt, in ihr. Welche Art von Papier benutzt er, scheint oder zeichnet er, arbeitet er mit Bleistift, Kugelschreiben, Füllfederhalter oder Buntstiften? Wie jemand denkt, lässt sich an der Qualität einer Skizze ablesen - bei einigen sind Gedanken schon fast ausformuliert, bei anderen gehen sie durcheinander und springen auf verschiedene Themen.
Wertvoll sind Skizzen allemal. Schon gar mit einigem Abstand. Manchmal ist man doch über seine eigenen Gedanken sehr erstaunt und noch nach Jahren können sich daraus weiterführende Projekte entwickeln. Deshalb sind es nicht nur die fertigen Werke, die interessant sind, sondern auch der skizzierte Weg dorthin.

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