Donnerstag, 4. August 2016

Kurven der Zeit

Es gibt Menschen, die sind so beispielhaft mit einer Zeit verknüpft, dass sie mit anderen zusammen diese Zeit repräsentieren. Ein solcher Mensch ist Arthur Miller. Der Autor hat ein paar bekannte Theaterstücke geschrieben, darunter „Der Tod eines Handlungsreisenden“, in dem er den sogenannten amerikanischen Traum hinterfragt und „Hexenjagd“ als Antwort auf die Kommunistenhetze in der Vereinigten Staaten der 1950er Jahre.

Ein interessantes Panorama

Doch der Grund, weshalb ich ihn erwähne, ist seine Autobiographie „Zeitkurven“. Darin offenbart er sich als exzellenter Beobachter des kulturellen und politischen Lebens in den Vereinigten Staaten. Beginnend mit der Kindheit und Jugend des 1915 in New York geborenen Schriftstellers, spannt sich der Bogen bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Auf knapp 800 Seiten entfaltet sich ein interessantes Panorama an Eindrücken, Beschreibungen und Zeitgeschehen, das einen spannenden Kontrast zum Bild Amerikas darstellt, wie es damals in die Welt hinausgetragen wurde. Miller schildert ein zerrissenes Land voller Widersprüche und Selbstzweifel. In seiner vierjährigen Ehe mit Schauspielerin Marilyn Monroe durchlebt er exemplarisch diese Haltung im Privaten.

Wirkungsvolles Zeitkolorit

Gerade die Verbindung des öffentlichen und privaten Lebens, des Zeitgeschehens mit dem Leben eines Einzelnen, macht „Zeitkurven“ zu einer Lektüre, die es vermag, das Große im Kleinen zu finden und dem Kleinen so eine Bedeutung in der Zeit zu geben. Millers Einsichten in sein Leben und die Ereignisse um ihn herum, sind leise, unaufdringlich, aber dafür umso wirkungsvoller. Denn sie stehen Beispielhaft für die Quintessenz in vielen Leben - und ein bisschen beantworten sie die ewigen Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem ganzen Rest.

Arthur Miller, Zeitkurven. Ein Leben, Fischer, 2. Auflage 2005, 815 Seiten, € 9,90.
Weitere Informationen zum Buch gibt es bei Amazon und in jeder Buchhandlung.

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