Montag, 22. August 2016

Leben in Extremen

Als Künstler zu leben, ist eine eigenartige Form des Daseins. Es gibt keinen festgelegten Tagesablauf, kaum Routinen. Mit Freiheit geht eine zeitliche Leere einher, denn von außen kommen wenig Anforderungen. Die Tage stehen fast unbegrenzt den eigenen Ideen zur Verfügung sie müssen nur umgesetzt werden. In guten Momenten steht einem Künstler die Welt offen und alles scheint möglich - doch in schlechten Momenten fühlt er sich nutzlos, überflüssig und jeder Gedanke geht nur ins Leere.

Manchmal ergeben Formen und Farben Sinn

Die wenigstens Menschen dürften mit der Lebensweise ohne jeglichen Rahmen und Fixpunkte klarkommen. Phasen hochgradiger Konzentration und großer Produktivität wechseln schnell mit Tagen voller Verzweiflung und Selbstverachtung. Notizen türmen sich und scheinen nutzlos, während sie kurz darauf zu Erkenntnis und spannender Handlung führen. Recherchen, die ins Nichts laufen. Entdeckungen, die Verbindungen herstellen. Geschichten, die sich zusammenfügen. Bilder, die wieder und wieder übermalt werden, bis Formen und Farbe einen Sinn ergeben.
In einem Kunstwerk stecken nicht nur viel Arbeit, sondern auch tagtägliche Überwindung, Angst, Freude, Hoffnung, Ärger und vieles mehr. Phasen der absoluten Unfähigkeit zur Arbeit müssen genauso verkraftet werden, wie nächtelanges Schreiben oder fieberhafte Tätigkeit an der Staffelei. Ein Künstlerleben ist ein Leben in Extremen. Ein dickes Fell allein reicht oft nicht aus, um das zu bewältigen. Manchmal flieht der Künstler jeglichen Kontakt, dann wieder ist er geradezu süchtig nach Menschen.

Künstler wissen, was Liebe wirklich heißt

Doch ein Künstler kann nicht anders. Er nimmt seine Umgebung schärfer wahr, sieht und fühlt die feinen Schwingungen der Gesellschaft. Ihn beschäftigen kleinste Regungen, ohne dass er es kontrollieren kann. Ein zwangloses Treffen mit mehreren Menschen kann ihn in tiefste Verzweiflung stürzen, aus der er tagelang nicht herauskommt. Dann entsteht plötzlich ein neues Bild, das Konzept für einen Roman.
Ein Künstlerleben ist geistig und körperlich unstet. Es hat große Schwankungen, enorme Höhen und Tiefen. Es ist weder plan-, noch kontrollierbar. Für die meisten Menschen ist es kaum auszuhalten, überhaupt länger mit einem Künstler zusammen zu sein. Die Exzentrik von Künstlern stellt andere Menschen oft auf eine harte Probe. Künstler nehmen viel, brauchen eine hohen Grad an Aufmerksamkeit, stoßen ihre Umgebung aber gleichzeitig ab. Gleichzeitig können sie auch viel geben, zum Beispiel neue Perspektiven und Einsichten. Sie sind anstrengend, unberechenbar und überraschend - doch sie wissen, was Liebe wirklich heißt.

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