Dienstag, 16. August 2016

Schonungslose Auseinandersetzung

Das Umfeld eines Künstlers prägt seine Themen und seinen Stil. Denn es macht einen Unterschied, ob er in den 1970er Jahren oder ein, zwei Jahrzehnte später aufgewachsen ist, ob er in London, New Yorck oder Paderborn lebt, mit welchen Menschen er sich umgibt und welche Bildung er hat. Deswegen halte ich für einen Künstler vier Eigenschaften für unumgänglich:
  1. Neugier
  2. Das Bedürfnis, lebenslang zu lernen und sich ständig in neue Themen einzuarbeiten
  3. Der Drang, unterwegs zu sein und zu reisen
  4. Die Kraft zur wiederkehrenden Auseinandersetzung mit anderen Menschen
Ein wechselndes Umfeld verändert das Lebensgefühl - und es ist letztlich ihr Lebensgefühl, das Künstler in ihre Büchern und Bildern, in ihrer Musik und ihrem Tanz ausdrücken. Wer zufrieden ist, drückt Zufriedenheit aus, wer ängstlich durch die Straßen geht, Angst und wer hasst, der transportiert den Hass durch seine Kunst, genauso wie der Gleichgültige Gleichgültigkeit und Liebende Liebe ausdrückt.

Arbeiter der Kulturindustrie

Was ein Künstler zu sagen hat, ist die Summe seiner Lebenserfahrung. Jeder Künstler ist der Resonanzkörper seiner Kunst. Deshalb kommt ein Künstler auch aus der Zeit und geht wieder in die Zeit - was wir heute erleben, interessiert in ein paar Jahrzehnten nur noch Historiker, doch es wird nicht mehr dem Lebensgefühl einer zukünftigen Generation entsprechen. Wir haben den Menschen nach uns einfach nichts zu sagen.
Nutzen wir als Künstler also die Chance und teilen, was wir zu sagen haben, den Menschen heute mit. Doch dabei sollten wir uns stets kritisch hinterfragen: Haben wir wirklich etwas zu sagen oder geht es uns nur um die persönliche Aufmerksamkeit, um Ruhm und um Geld? Künstler dürfen wir uns nur nennen, wenn wir ernsthaft unser Lebensgefühl mitteilen, andernfalls sind wir nur normale Arbeiter der Kulturindustrie. Als Künstler haben wir die Verpflichtung, ehrlich zu anderen, vor allem aber zu uns selbst zu sein. Ein vielseitiges Umfeld, das sich nicht scheut, unsere Werke offen zu kritisieren, hilft uns dabei. In der Kunst sollte es nicht um Gefallen gehen, sondern um eine schonungslose Auseinandersetzung. Das aber gelingt nur im richtigen Umfeld.

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