Sonntag, 14. August 2016

Seismograph der Gesellschaft

Die katholische Kirche verbietet Bücher, die Nationalsozialisten haben Bücher verbrannt. Warum? Weil sie gefährlich sind. Kunst hat eine ungeheure Macht - auch wenn sie nicht offensichtlich ist und mit anderen gesellschaftlichen Kräften zusammenwirkt. Sie ist ein Experimentierfeld für Ideen, ein Medium, um Informationen zu verbreiten und ein Seismograph für kleinste Bewegungen innerhalb einer Gesellschaft. Kunst gibt sich nicht mit einem Status Quo zufrieden, sondern fordert Denken und treibt Neuerungen voran.

Kunst kann Orientierung bieten

Das heißt natürlich nicht, dass jedes Buch, jedes Gemälde, jede neue Kunstrichtung gut ist. Aber künstlerische Avantgarde ist neugierig auf den nächsten Schritt gerichtet. Sie bewahrt nicht, sondern zerstört im Zweifel Altes und baut auf den Trümmern von einstigem Neuen auf. So sind ihre Ideen eine Bedrohung für alle, die Erreichtes erhalten wollen und ihre Privilegien nicht loslassen können.
In einer Zeit der Umwälzungen, in der wir uns zweifellos befinden, kann Kunst Orientierung bieten. Wir müssen uns nur darauf einlassen. Wie? Indem wir uns mit Kunst auseinandersetzen und neue Gedanken zulassen. Indem wir nicht jede Veränderung ablehnen und auf dem beharren, was uns in unseren Augen zusteht. Indem wir uns in Diskussion einbringen und mit offenen Augen unseren Weg gehen.
Kunst hilft, die Welt in dem Augenblick zu verstehen, in dem wir in ihr leben. Sie ersetzt allerdings nicht eigenes Denken und handeln. Sie gibt jedoch Anstöße und macht immer wieder deutlich, dass wir mit unseren Ideen nicht allein dastehen - und dass es keine Grenzen für unsere Gedanken gibt.

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