Dienstag, 6. September 2016

Auffallen um jeden Preis

Gratisography / Pexels
Die Menschen sind gesättigt. Und wie. Es gibt zu viele Selbstdarsteller und jeder will ins Licht der Öffentlichkeit. Die sozialen Medien sind voll von ihnen. Es wird über Bikinis und Hintern, Schlägereien und Entgleisungen, Liebe, Ehe und Scheidungen geredet. Es kursieren Fotos und Videos. Das alles ist ganz wichtig und jeder muss alles unbedingt gesehen haben.
Das Internet ist eine gigantische Marketingmaschine, die jeder nutzen kann. Entsprechend überbordende Informationen werden produziert. Jetzt die entscheidende Frage: Wie bei all dem noch auffallen? Eine Gegenfrage: Warum überhaupt auffallen? In Ordnung, das ist nur eine rhetorische Frage, denn wer zum Beispiel sein Buch an die Leser bringen möchte, muss auffallen. Zwar genügt es in der heutigen Zeit für den Erfolg, ein mittelmäßiges Buch zu schreiben, doch Voraussetzung dafür ist ein erstklassiges Marketing. 

Schreiben Sie ein wirklich gutes Buch

Also stellt sich die Frage anders: Wenn man schon auffallen muss, wie macht man es dann richtig?
Natürlich gibt es kein Patentrezept. Meines Erachtens ist das Wichtigste, das eigene authentische Auftreten. Es geht nicht darum, irgendwelchen Stars nachzueifern oder Prominente zu kopieren. Wer selbst bekannt werden möchte, muss auch eine eigene Persönlichkeit entwickeln und nach außen zeigen. Ahmen Sie also nicht die Schritte ein bis zahn von irgendwelchen Llisten nach, sondern überlegen Sie selbst, wer Sie sind und wie Sie dieses Ich anpreisen. Sie müssen ein Image aufbauen und dieses Image so attraktiv machen, dass es jedem Leser ein Bedürfnis ist, ihre Bücher zu kaufen.
Apropos Bücher. Geht es denn nicht um den Inhalt, um Stil und Sprache, ist nicht das am allerwichtigsten? werden Sie fragen.
Doch, das ist es. Unumschränkt. Schreiben Sie ein wirklich gutes Buch. Aber dann vergessen Sie es und überlegen Sie, wie Sie sich bekannt machen. Aus einem ganz einfachen Grund: Leser sollen erfahren, dass Sie ein wirklich gutes Buch geschrieben haben, sie sollen es kaufen und vor allem lesen.

Werben um Sympathie für die eigenen Kartoffeln

Natürlich können Sie darauf vertrauen, dass es sich ganz von allein herumspricht, dass Sie ein wirklich gutes Buch geschrieben haben. Das kann geschehen - dann sind Sie ein großer Glückspilz. Denn jedes Jahr kommen tausende von Büchern auf den Markt. Weshalb sollte gerade Ihr Buch dabei zufällig auffallen? Helfen Sie ein wenig nach, das ist sicherer.
Kommen wir zum Wie: Plaudern Sie in den sozialen Medien wie mit guten Freunden. Teilen Sie Ihren Alltag, scheuen Sie sich nicht vor Belanglosigkeiten, berichten Sie von Fortschritten mit Ihren Büchern, kommentieren Sie Beiträge in Blogs, liken Sie Fotos auf Facebook und vor allem: zeigen Sie immer wieder, wer Sie als Künstler sind. Es ist wie mit Gesprächen über den Gartenzaun. Man achtet die Grenzen von anderen und wirbt gleichzeitig um Sympathie für sich und die eigenen Kartoffeln.

Bauen Sie auf Ihren guten Namen - wenn Sie ihn denn haben

Die sozialen Medien haben nicht die Art der Kommunikation verändern, sondern nur ihre Reichweite. Unser Gartenzaun reicht heute in ferne Länder. Früher hätten Sie Ihr Buch mit großem Aufwand nur in Ihrer Region bekannt machen können. Heute erreichen Sie mit Fleiß und Kreativität von Ihrem Schreibtisch aus die ganze Welt. Nutzen Sie diese Chance - aber bleiben Sie dabei ganz Sie selbst. Denn Ihre Kartoffeln werden nicht größer, wenn Sie Ihr Unkraut auf das Grundstück des Nachbarn werfen - und Sie werden Ihr Buch nicht öfter verkaufen, wenn Sie den Allüren irgendwelcher Vorbilder nacheifern. Es ist viel Arbeit ein Buch zu schreiben - und sogar noch mehr, genau dieses Buch an Leser zu bringen.
Ein motivierendes Wort habe ich mir für den Schluss aufgehoben: Es ist schwer, das erste Buch zu vermarkten, mit jedem weiterenm wird es zunehmend leichter. Denn haben Sie sich erst bei einigen Lesern einen Namen gemacht, können Sie leiht darauf aufbauen. In diesem Sinne: Zögern Sie nicht.

Martin Hricko / 500px