Samstag, 24. September 2016

Das Undenkbare denken und vermitteln

Tomas Armanavicius / 500px
Der Surrealismus hat es in den 1920er Jahren erstmals offenbart: Geistige, selbst träumerische Welten können durchaus real sein. Zwischen Dalis geschmolzenen Uhren und Einsteins Relativitätstheorie gibt es eine Verbindung. Zumal die Natur surrealer erscheint, als wir im täglichen Leben wahrnehmen.
Da wir nur innerhalb unseres Erfahrungshorizonts denken können und deshalb alles möglich erscheint, was wir uns vorstellen, verleiht uns Wissen Flügel. Und doch ist unser Horizont unterschiedlich weit. Es gibt Visionäre und Kleingeister. Das ärgerliche ist das mangelnde Verständnis untereinander. Wer einfach denkt, versteht das komplizierte nicht und dem Analytiker ist die Oberflächlichkeit mancher Zeitgenossen zuwider.

Kunst weckt Gefühle

Wir müssen damit leben, dass unsere jeweiligen Welten nicht Deckungsgleich sind. Wir brauchen Vermittler, die das Undenkbare denken und so darstellen, dass es möglichst viele Menschen verstehen.
Das ist die Aufgabe der Künstler. Mit ihren Mitteln machen sie Verborgenes sichtbar und wecken Verständnis, wo andere mit Reden und Diskutieren scheitern. Denn in der Kunst geht es um das darstellen und zeigen, nicht darum, Recht zu haben und zu überzeugen. Kunst weckt Gefühle in Betrachtern oder Lesern, die zu anderen Blickwinkeln, zum Nachdenken führen.
Deshalb ist es ganz besonders wichtig, dass Künstler nicht Vorurteile bestätigen, sondern sinnvoll verunsichern. So wie Dali mit seinen zerlaufenen Uhren oder van Gogh mit seiner Sternennacht und viele, viele andere Künstler. Es geht darum, Geschichten zu erzählen, aber diese Geschichten sollen den Erfahrungshorizont erweitern und weitertragen. Es geht darum , die die Gedankenwelt eines anderen einzutauchen und dessen Träume zu erleben. Nur so wachsen Wissen und Verständnis. Wer auf seiner Meinung beharrt, scheitert letztlich an sich selbst. Nur das Neue, die Entwicklung und Veränderung bringt Menschen voran - auch in der Kunst.
Der Surrealismus war nur ein Schritt, die Welt neu zu erklären. Heute folgt ihm eine neue Kunst, die aus unserer Zeit heraus geboren wurde. Und danach wird eine neue kommen -Schritt für Schritt, bis wir verstehen, woher wir kommen und wohin wir gehen.