Freitag, 16. September 2016

Die Kraft der Selbstgespräche

fotolehrling / Pixabay
Ich gebe es zu: Manchmal führe ich Selbstgespräche. Nicht, weil ich niemanden hätte, der mit mir spricht, sondern weil Monologe mit mir selbst sehr effektiv sind. Sie bringen meine Gedanken in neue Richtungen und machen mir einiges klar.
Vorzugsweise führe ich diese Selbstgespräche beim Spazierengehen in freier Natur. Das bringt mir zwar den einen oder anderen seltsamen Blick ein, doch genauso frei wie meine Schritte, bewegen sich auch meine Gedanken durch Feld und Flur. Zugegeben, das klingt ein wenig pathetisch oder - weniger gewählt ausgedrückt - albern, doch es hilft - Achtung, wieder pathetisch - mir selbst Flügel zu verleihen.

Bei Selbstgesprächen existieren weder Grenzen, noch Regeln

Der unbestreitbare Vorteil eines Selbstgesprächs: Niemand unterbricht mich und keiner widerspricht mir. Ich kann in Ruhe analysieren, Gedanken ordnen, Argumente zurechtlegen und zu einer subjektiven Einschätzung aller möglichen Themen gelangen. Doch nicht nur das: Ich lasse meine Fantasie schweifen, konzipiere Geschichten und ganze Bücher während meiner ausgedehnten Spaziergänge. Im Einklang mit der Natur sprengen meine Gedanken alle Grenzen und verstoßen gegen jede Regel. So entstehen Hirngespinste, von denen manche vernünftig genug sind, um aufgeschrieben zu werden.
Doch Vorsicht: Selbstgespräche sind wie Träume, die nach dem Aufwachen schon vergessen sind. Wenn ich mir die wichtigsten Gedanken nicht zeitnah notiere, sind sie bald nach dem Spaziergang wieder verflogen. Deshalb fertige ich für mich ein Gedankenprotokoll an. Nach ein paar Jahren sind diese Protokolle übrigens auch geschichtlich interessant: Ich kann kaum glauben, das ich gedacht habe, was ich gedacht habe. Da entstehen spannende Momentaufnahmen meiner selbst. Wer weiß, vielleicht sind sie eines Tages sogar Grundlage eines nicht allzu fernen historischen Romans.