Donnerstag, 1. September 2016

Die Sache mit dem Alkohol

Künstler und ihre Exzesse - eine endlose Geschichte von Freude und Leid, Verzweiflung und Hoffnung, inneren Kämpfen und Tod. Weil Kunst sich immer mehr zu einer Tätigkeit außerhalb der Gesellschaft entwickelt hat, die gleichermaßen von ihr abgestoßen, wie abhängig ist, muss der einzelne Künstler dieses Spannungsverhältnis zwischen Spott und Ruhm, Unverstand und Neugier, Ablehnung und Bewunderung aushalten. Es macht ihn einerseits zu etwas Besonderem, aber lässt ihn auch sehr verletzlich werden. Hinzu kommt die Sensibilität von Künstlern, ihr feines Gespür für Menschen und Situationen. Das Leben ist anstrengend und für einen Künstlers ist es oft der blanke Horror - ähnlich wie es für einen lärmempfindlichen Menschen laute Geräusche sind.

Das eigene Leben spüren

Exzesse sind eine Flucht vor der Realität und ein Beruhigen der überstrapazierten Nerven. Sie sind auch Entspannung von der hohen Konzentration bei künstlerischen Tätigkeiten. Denn nicht selten ist auch die Arbeit ein Exzess von ununterbrochenem Schreiben oder Malen. Wenn Kreativität im Künstler explodiert, reißt sie alles mit und zerstört unter Umständen auf Dauer sein Leben. Exzesse mit Alkohol, Drogen, Sex, bis hin vielleicht zu Gewaltexzessen sind die Ablenkung von dieser Bedrohung und vielleicht die einzige Möglichkeit, das eigene Leben noch zu spüren.
In einem gewissen Rahmen können Exzesse Kreativität freisetzen und verstärken. So kann Alkohol zu einer vermehrten Wahrnehmungsfähigkeit führen. Doch die Grenze zum Kontrollverlust ist schnell erreicht und unweigerlich folgt der schnelle Absturz. Bis dahin arbeiten Körper und Geist allerdings auf Hochtouren.
So sind Exzesse Fluch und Segen zugleich in einem Künstlerleben. Ganz zu schweigen von der Publicity, die sie gegebenenfalls nach sich ziehen. Künstler sind dafür nicht zu bewundern. Doch wie sie die Last des Lebens und der Gesellschaft oft stellvertretend für andere Menschen tragen, das sollte tatsächlich mehr gewürdigt werden.

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