Samstag, 3. September 2016

Ein viertel Jahrhundert Schmidt Tivoli

Gratulation. Eine Institution feiert ihren 25 Geburtstag. Das ist alles andere als selbstverständlich und war schon gar nicht absehbar. Denn als das Hamburger Schmidt Theater 1988 seine Tore mit rund 400 Sitzplätzen öffnete, hätten nur wenige einen Pfifferling darauf gewettet, dass dieses neue Theater eine Erfolgsstory wird. Doch es wurde und so entstand 1991 das „große“ Haus Schmidt Tivoli mit mehr als 600 Plätzen.
Das Erfolgsgeheimnis ist und war Andersartigkeit. Mitbegründer Corny Littmann lebte auf der Bühne und auch sonst seine Homosexualität offen aus - für die damalige Zeit noch durchaus mutig. Das Programm war von Anfang an provokant und freizügig. Besonders die Mitternachtsshow setzte Maßstäbe. Nicht umsonst wurde sie bald im Fernsehen übertragen. Die nackten Brüste eines Busenwunders im Gesicht Corny Littmanns sind noch heute ein denkwürdiges Bild. Das war in den 1990er-Jahren neu im Fernsehen: nackte Menschen, schrille Gesänge, kuriose Darbietungen, schwule Themen, schräge Talks und das alles in einer Show. Doch die Mitternachtsshow war nicht nur deswegen bekannt, sondern auch für die vielen Auftritte namhafter Künstler wie Hildegard Knef, Heidi Kabel, Harald Juhnke, Dirk Bach, Evelyn Künneke, Udo Lindenberg, Marianne Rosenberg und Rio Reiser. 

Frivol, lustvoll und fröhlich

Ich erinnere mich an wunderbar amüsante Stunden im Schmidt Tivoli (und auch im Schmidt Theater). Als ein russischer Clown eine Waschmaschine imitierte, habe ich Tränen gelacht. Der nackte Hintern von Cory Littmann auf der Bühne ist immer einen Brülle, die "Heiße Ecke" ist natürlich längst Kult und die "Königs vom Kiez" sind auf dem besten Weg dorthin.
Doch das alles erklärt nicht den Charme vom Schmidt Theater und vom Schmidt Tivoli. Es ist die Mischung von Kunst, Kultur und persönlicher Atmosphöre, die das Theater einzigartig machen. Inzwischen sind auch die Ansagen von Henning, der jetzt das Schmidtchen, die jüngste Bühne der Schmidt Familie leitet, legendär. Das Servceteam ist es sowieso.

Was wäre eine krative Bühne ohne Experimente?

Wenn ich dort im Theater sitze, meinen halben Liter Weißwein vor mit, ist die Welt irgendwie in Ordnung. Das Publikum ist gemischt von Jung bis Alt. Alle haben ihren Spaß. Das Programm ist frivol und anzüglich, selten aber unter der Gürtellinie. Nur die Mitternachtsshow, mit der das Schmidt Thearer einst bundesweit bekannt geworden ist, hat erheblich an Niveau verloren. Vielleicht hat da der Zahn der Zeit genagt. Doch ansonsten gehe ich immer wieder gern ins Schmidt. Auch wenn das eine oder andere nicht klappt, wie der Wettbewerb um ein neues Musical. Leider waren die Beiträge durchweg mies. Dennoch sind ist das Schmidt Theater und das Schmidt Tivoli eine Hamburger Institution, ohne die es auf der Reeperbahn weitaus weniger lustvoll und fröhlich zugehen würde. Aber was wäre eine kreative Bühne ohne - und auch gewagte - Experimente? Erstaunlich viele davon haben funktioniert.
In diesem Sinne rufe ich dem gesamten Team vom Schmidt Theater und vom Schmidt Tivoli zu: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und vielen Dank für die vergangenen 25 Jahren. Macht weiter so, ich komme immer wieder gerne zu euch! Denn ich habe eine ganze Menge interessanter Stunden bei euch verbracht - manchmal habe ich mich über euch geärgert, aber langweilig war es nie.