Mittwoch, 14. September 2016

Murphys Gesetz führt uns in die Irre

Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. So jedenfalls lautetet Murphys Gesetz. Ganz klar, diese Aussage entspricht auch unser aller Alltagserfahrung. Im Stau stehen wir jedesmal, Projekte werden nie rechtzeitig fertig und natürlich bekommen wir immer das schlechteste Stück Käse beim Einkaufen.
Über dieses Lebensgefühl gibt es sogar einen Roman. In „Zeno Cosini“ beschreibt der italienische Autor Italo Svevo einen Menschen, der ständig unter der Ungerechtigkeit der Welt leidet, obwohl ihm fast ohne eigenen Zutun alles glückt. Das Schicksal meint es gut mit ihm, auch wenn sich das manchmal erst nach vielen Jahren herausstellt. Dennoch fühlt er sich vom Leben betrogen.

Wir sind alle eher Pessimisten

Wissenschaftliche Untersuchungen von Murphys Gesetz haben gezeigt, dass es sehr präzise gilt - aber nur in geschlossenen Systemen. Das heißt, unsere Alltagswelt mit ihren vielen unterschiedlichen Einflüssen ist immun dagegen. Und trotzdem empfinden wir es für unser Leben als gültig und verwenden es oft als resignierte Rechtfertigung für alles, was schiefgeht. Das liegt allerdings daran, dass der Mensch als solcher eher zum Pessimismus neigt, als optimistisch durchs Leben zu gehen.
Vielleicht sollte wir uns eher den Ausspruch eines Namensvetters des Ingenieurs Edward A. Murphy, dem Urheber des gleichnamigen Gesetzes, zu Herzen nehmen. Der Theologe und Amateurpsychologe Joseph Murphy hat die Theorie ersonnen: „Was man dem Unbewussten als wahr übermittelt, wird wahr.“ Warum nur ist dieser Ausspruch bisher nicht so bekannt geworden, wie das viel zitierte Gesetz des anderen Murphy?
Nun, das scheint evolutionär begründet. Unsere Vorfahren mussten ihrer Umgebung gegenüber stets misstrauisch sein, denn hinter jedem Busch konnte eine Gefahr für Leib und Leben lauern. So nehmen wir bis heute schlechte Nachrichten oder negative Entwicklungen stärker wahr. Dinge, die einfach laufen sind hingegen für uns oft selbstverständlich.

Ein Toast fällt zumeist auf die bebutterte Seite

Künstler schöpfen aus den Folgen von Murphys Gesetz unerschöpfliche Geschichten. Schon Samuel Beckett hat darüber in seinem Roman „Murphy“ geschrieben. Auch hier gilt: Es ist spannender, über das zu lesen, was schiefgeht, als über alles, was funktioniert. Doch für das eigene Leben sollten besonders Künstler sich nicht von Murphy beeinflussen lassen. Es ist so anstrengend, ein Buch zu schreiben und erfordert soviel Motivation über lange Zeit, dass für negative Gedanken und Selbstzweifel kein Platz sein sollte. Auch wenn sich Schriftsteller oft quälen, um ihre Gedanken in Worte zu fassen, dürfen sie doch davon ausgehen, dass sie etwas von Wert schaffen, wenn sie durchhalten. Wenn jemand wirklich schreiben muss, wird es wahr, dass er schreibt. Und wenn sich ein Autor als Schriftsteller fühlt, dann wird er auch ein wahrer Schriftsteller werden.
Was bleibt letztlich von Murphys Gesetz? Es ist zum Beispiel sinnvoll bei der Fehlersuche in geschlossenen Systemen und wird in Prüfverfahren eingesetzt. Und, ach ja - ein Toast unterliegt tatsächlich der Tendenz, auf die bebutterte Seite zu fallen. Das hat Robert Matthews von der Aston University in Birmingham im Jahr 2004 in seinen Studien zu Murphys Gesetz bewiesen.