Dienstag, 20. September 2016

Streichholzgeschichten

roegger / Pixabay
Es ist allgemein bekannt, dass Talent nur zu einem kleinen Teil zum künstlerischen Schaffen beiträgt. Viel bedeutender ist harte Arbeit. Dazu gehört, immer wieder Neues auszuprobieren, einfach zu üben und damit die eigenen Fähigkeiten zu erweitern.
Für Schriftsteller ist das meist mit großem Aufwand verbunden. Während ein Maler durchaus in einem Tag ein Bild fertigstellen kann, um mit Farbgebung und Schattenspiel zu experimentieren, braucht ein Autor selbst für eine Kurzgeschichte ungleich länger.

Sofortige Reaktion des Publikms

Doch um zu üben, braucht es keine durchkomponierten und ins Reine geschriebenen Texte, sondern nur ein Streichholz. Damit wird aus der Übung eine interessante Vorführung: Streichholz entzünden und eine Geschichte erzählen, die exakt mit dem Entflammen des Hölzchens beginnt und mit dem letzten Schein des erlöschenden Feuers endet. Dabei wird das Streichholz die ganze Zeit zwischen den Fingern gehalten. Ob die Geschichte gut und die Übung damit erfolgreich ist, lässt sich sofort an der Reaktion des Publikums ablesen. Wer erst im stillen Kämmerlein üben möchte, kann seine Geschichten natürlich auch aufzeichnen.

Vorsicht, heiß!

Ein paar technische Angaben: Ein Streichholz brennt ungefähr zwischen 30 Sekunden und eine Minute, je nachdem, wie es gehalten wird. Diese Zeit reicht für maximal 200 Worte oder rund 1200 Zeichen. Anekdoten oder Witze zählen nicht als Geschichten. Merkmale einer Kurzgeschichte sind ein spontaner Einstieg und ein überraschendes Ende. Die Geschichte sollte während des Erzählens entwickelt werden. Das wir bei den ersten Malen fürchterlich schief gehen, doch auch hier gilt: Übung macht den Meister.
Und ein letzter Tipp: Nicht die Finder verbrennen!