Donnerstag, 15. September 2016

Zwölf Dinge, die ernsthafte Schriftsteller täglich oder niemals tun

TanteTati / Pixabay
Es ist nicht leicht, ein Schriftsteller zu sein. Allein am Schreibtisch mit Gedanken und Worten ein Buch zu schreiben, das vielleicht ein Erfolg wird oder auch nie den Weg zu einem Leser findet. Es ist ein unsicheres Leben voller Sackgassen und Irrwege. Doch es ist reich an Fantasie, neuen Ideen, interessanten Geschichten und Wendungen sowohl in der Vorstellung, als auch in der realen Welt. Es ist ein Leben, das Grenzen auslotet und überschreitet, immer einen Schritt zwischen Höhenflug und Abgrund.
Also, wer sind Schriftsteller, was tun sie - und was machen sie nicht? Natürlich sind nicht alle Schriftsteller gleich, aber unter denen, die es ernst meinen, gibt es doch gewisse Gemeinsamkeiten. Die habe ich in zwei Listen zusammengefasst - ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wohl gemerkt.

Zwölf Dinge, die ernsthafte Schriftsteller täglich tun

1. Sie fühlen sich als Schriftsteller
Das ist nicht selbstverständlich. Denn ob jemand ein Schriftsteller ist oder nicht, hängt nicht am Talent, sondern vielmehr an Persönlichkeit und Charakter. Mehr dazu im Post Wie ein Schreibender zum Schriftsteller wird.

2. Sie sind neugierig
Wie schon Einstein schrieb: Innovatives und kreatives Denken sind weniger eine Frage der Intelligenz, als vielmehr der Neugier. Schriftsteller sind deshalb wissbegierig.

3. Sie schauen sich intensiv in der Welt der Kunst um
Wer wirklich etwas zu sagen hat, nimmt begierig auf, was andere sagen. Die Anregungen beflügeln das eigene Denken und geben ihm eine Richtung, um aus dem gewonnen Wissen selbst etwas zu machen.

4. Sie machen sich ständig Notizen
Wer viel denkt, vergisst auch viel. Deshalb ist es ungemein wichtig, möglichst alles aufzuschreiben, um es später in den geeigneten Kontext zu setzen.

5. Sie reden viel
Mit anderen und mit sich selbst, weil Reden die Konzentration födert und mit dem gesprochenen Wort vieles vorweggenommen werden kann, was später in geschriebene Texte einfließt. Reden ist sozusagen die Generalprobe für das Schreiben.

6. Sie erleben die Welt als Bühne
Hinter allem und jedem steckt eine gute Geschichte. Das Café, der Park, das Geschäft - überall agieren Menschen und führen das Schauspiel des Lebens auf.

7. Sie hören niemals auf, zu träumen
Wer hat noch nicht den Satz gehört: Das Leben war schön, bis es so real wurde? Wir alle erleben Schicksalsschläge und Tiefpunkte. Doch Schriftsteller denken ständig über die Ebene der Realität hinaus - mit anderen Worten, sie haben Visionen, sie tärumen. Wie sonst sollten sie fantastische Welten erschaffen?

8. Sie sind viel unterwegs
Es lässt sich gut unter Menschen schreiben, auf den großen Bühnen dieser Welt. Je mehr lebendiger Trubel, desto konzentrierte oft das Schreiben. Außerdem befriedigt es die Neugier, unterweg zu sein.

9. Sie schreiben überall
Für einen Schriftsteller ist Schreiben nun einmal das Wichtigste. Wenn er eine Idee hat und sich Worte in seinem Kopf ordnen, nimmt er folglich keine Rücksicht darauf, wo er sich befindet und schreibt. Manchmal führt das zu Irritationen und Missverständnissen - Matarial für die nächste amüsante Geschichte.

1o. Sie schreiben, auch wenn niemand ihre Texte liest
Gedanken müssen hinaus aus dem Kopf und auf das (heutzutage meist elektronische) Papier. Gleichgültig, ob das jemanden interessiert. Wenn ein Schriftsteller jedoch von seinem Schreiben leben möchte, ist er natürlich auf zahlende Leser angewiesen. Das wird ihn aber kaum bei Stil und Sprache beeinflussen.

11. Sie experimentieren mit Geschichten und Sprache
Niemals stehenbleiben oder sich auf dem ausruhen, was schon funktioniert. Es geht darum, mit Worten Gefühle auszudrücken und darum Aussagen auf die Spitze zu treiben. Es wird mit Worten niemals alles gesagt und aus diesem Grund muss alles immer wieder neu gesagt werden.

12. Sie sind extrem
Wer vieles fühlt und wenig versteht, weil alles irgendwie unverständlich ist, der wird alles probieren und Wagnisse eingehen, um Erkenntnis und Verständnis zu erlagen. Im Extremen liegt oft der Schlüssel zu Einsichten, weil viele Möglichkeiten ausgeschlossen und Handlungsweisen damit vereinfacht sind.

Zwölf Dinge, die ernsthafte Schriftstelle niemals tun

1. Sie fühlen sich nicht als etwas Besonderes
Der Beruf des Schriftstellers ist eben ein - Beruf, wie viele andere auch. Wie immer im Leben, mit Vor- und Nachteilen. Wenn ein Mensch etwas Besonderes ist, dann nicht, weil er etwas Besonderes macht, sondern ausschließlich, weil er eine besondere Persönlichkeit hat - und die sieht sich meist nicht als etwas Besonderes.


2. Sie verlieren nicht den Glauben an sich
Schriftsteller erleben viele Niederlagen, weil jeder Text sehr subjektiv ist und nicht immer gemocht wird. Dennoch gehen sie ihren Weg unbeirrt weiter, weil sie wissen, dass jeder ihrer Texte für ihre Entwicklung als Schriftsteller wichtig ist.

3. Sie scheuen sich nicht, ihre Gedanken auszusprechen
Es ist nicht immer einfach, zu sagen, was man denkt. Und doch ist es so ungemein wichtig, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und bei ihnen etwas zu bewegen und selbst von den Reaktionen zu lernen

4. Sie sind nicht langweilig
Was ist langweilig? Stehenzubleiben und sich auf dem auszuruhen, was man erreicht hat. Das kann ein ernsthafter Schriftsteller sich nicht leisten, denn wer möchte dieselben Gedanken immer und immer wieder hören, ähnliche Text immer und immer wieder lesen?

5. Sie sind nicht immer gesellschaftsfähig
Vieles zu fühlen und manches zu denken führt zu alternativem Verhalten und damit gelegentlich zu Kontroversen. Hinzu kommt, wie oben beschrieben, ein gewissen extremes Leben mit dem einen oder anderen Exzess. Das ist natürlich nicht immer gesellschaftsfähig.

6. Sie kümmern sich nicht um die Meinung anderer
Das hängt mit einigen der anderen schon genannten Punkte zusammen. Das heißt aber nicht, dass die Meinungen anderer nicht in ihre Texte einfließen und so eine Auseinandersetzung stattfindet.

7. Sie stellen das Schreiben nicht in Frage
Nun, das dürfte klar sein, weil Schreiben das wichtigste Ausdrucksmittel von Schriftstellern ist.

8. Sie halten sich nicht an Regeln
Warum auch, denn Regeln engen ein. Gemeint sind damit natürlich gesellschaftliche Regeln. Die zu erweitern und manchmal auch zu brechen, durchaus den kreativen Horizont erweitert.

9. Sie denken nicht in festgefügten Bahnen
Nein, denn sonst würden keine weiterführenden Geschichten entstehen und ihre Leser würde sich langweilen. Es geht darum, Verhalten, Regeln und das gesellschaftliche Leben in Frage zu stellen und Leser sinnvoll zu verunsichern.

10. Sie sind nicht Teil der Kulturindustrie
Nach Theodor Adorna bedient die Kulturindustrie den Massengeschmack, um die Menschen zum ständigen Weitermachen zu bewegen. Sie bestätigt sie in ihren Vorurteilen und trägt eben nicht zum weiterführenden Denken bei. In diesem Sinne macht es für keinen ernsthaften Schriftsteller Sinn, Teil dieser Kulturindustrie zu sein

11. Sie akzeptieren keine Grenzen
Klar, Grenzen engen ein, sogar das Denken. Doch nur ein Schriftsteller, der grenzenlos denkt und Neues zulässt, erzählt interessante Geschichten.

12. Sie fühlen sich nicht einsam
Schreiben ist zwar ein einsames Geschäft, doch es ist eine produktive Einsamkeit. Umgeben von seinen Gedanken, Visionen und Träumen, sollte ein Schriftsteller deshalb nicht im üblichen Sinn einsam sein, auch wenn er mit seinen Gefühlen und Ansichten in der Gesellschaft oft allein dasteht.