Dienstag, 7. November 2017

Ganz schön verrückt


Wie wird aus einem Welpen ein Gewehr und später ein Song? Kein Problem - dafür ist nur ein klasse Spruch nötig und Menschen, die ihn für ihre eigenen Zwecke missbrauchen.
Am Anfang stand Snoopy von den Peanuts. Ein wirklich cooler Welpe, der davon träumt, Schriftsteller zu sein und immer wieder einen lockeren Spruch bringt. So auch das Bonmot „Happiness is a warm Puppy“, was frei übersetzt in etwa heißt: „Glück ist, einen warmen Welpen zu haben“. Hundefreunde werden das sicher bestätigen.
Der Spruch war so gut, dass ihn später die Waffenlobby in den Vereinigten Staaten für sich entdeckt und „leicht“ abgewandelt hat. Daraus wurde: „Happiness is a warm gun in your hand“, also: „Glück ist, ein warmes Gewehr in der Hand zu halten“. Da ein Gewehr sich natürlich erst dann erwärmt, wenn damit geschossen wurde, kann der Werbespruch auch so gedeutet werden, dass ein Glücksgefühl entsteht, wenn man auf jemanden schießt oder jemanden erschossen hat.
So jedenfalls hat John Lennon den Text der Waffenlobby interpretiert und daraus den Beatles-Song „Happiness is a warm gun“ gemacht. Darin heißt es unter anderem: "When I hold you in my arms. And when I feel my finger on your trigger.“ Wiederum frei übersetzt: „Wenn ich dich in meinen Armen halte und meinen Finger an deinem Abzug spüre.“ Die Waffe wird zur Geliebten, die Sicherheit bietet, denn: "I know nobody can do me no harm.“ Also: „Ich weiß, niemand kann mir etwas antun.“
https://itunes.apple.com/us/album/happiness-is-a-warm-gun/401126224?i=401126349&uo=4&partnerId=11&at=11lNwx
Ein weiter Weg von der herzerwärmenden Liebe zu einem Welpen bis zur todbringenden Liebe eines durch Explosionen erwärmten Gewehrs.
Interessant ist die Metamorphose allemal und sie sagt viel über uns Menschen aus. Wir können Lebewesen lieben oder auch den Gegenstand, mit dem wir sie umbringen. In uns steckt viel - doch vor allem Angst. Weshalb sonst sind wir auf der Suche nach Liebe und warum sonst glauben wir, uns mit Waffengewalt vor anderen Menschen schützen zu müssen? Wir fühlen uns bedroht von anderen Ansichten, anderen Kulturen, von anderem Sein. Deshalb brauchen wir beides: Ein liebendes Wesen an unserer Seite und die Waffe, mit der wir notfalls alle Bedrohungen aus dem Weg räumen können.
Schade nur, dass wir Menschen auch gleichzeitig geschäftstüchtig sind, denn so profitieren andere von unseren Ängsten, indem sie uns Lebewesen und Waffen verkaufen.
Wenn wir es also genau betrachten, sind wir Menschen vor allen eines - ganz schön verrückt.